Das Wahlpflichtfach Rechtskunde stellt sich vor

"Recht ist Wille zur Gerechtigkeit. Gerechtigkeit aber heißt: Ohne Ansehen der Person richten, an gleichem Maße alle messen." So hat der Rechtsphilosoph Gustav Radbruch seine Überlegungen über das Verhältnis von Recht und Gerechtigkeit eingeleitet.

Wer heute die Menschen in seinem Umfeld nach ihren Erfahrungen mit dem Recht befragt, trifft auf unterschiedliche, insgesamt wohl eher skeptische Meinungen. Zwar hält jeder die Verwirklichung von Gerechtigkeit für eine wichtige Sache, doch ist die Zuversicht, dass sich das Recht in jedem Falle durchsetzt, oft gering.

Ein Blick ins Gesetz, soweit dieses überhaupt greifbar ist, verwirrt rechtsunkundige Bürger oft mehr, als dass er ihnen Klarheit verschafft. Also muss man sich mit seinen Rechtsproblemen an Anwälte und Gerichte wenden. Dort begegnet man einer Fachsprache, die den meisten nicht geläufig ist. Die Atmosphäre im Gerichtssaal wirkt fremd und bedrückend. Deshalb wird der Gang zum Gericht, wo man eigentlich Genugtuung und Gerechtigkeit erwarten sollte, nur mit Unbehagen beschritten.

Heute sind immer mehr Lebensbereiche durch rechtliche Regelungen ausgestaltet. Schon die gesunde Ernährung eines Babys ist durch Rechtsvorschriften über die Trinkwasser- und Babynahrungszusammensetzung rechtlich geregelt. Schule, Ausbildung, Miete oder Kauf einer Wohnung, Partnerschaft und Familie, Kindererziehung, Altersversorgung, auch die Frage, ob jemand über seine Todesstunde mitentscheiden soll oder ob ihm die moderne Medizin diese Entscheidung abnehmen darf, unterliegt rechtlichen Regelungen. Um diesem Alltag besser gewachsen zu sein, soll das Wahlpflichtfach Rechtskunde das Verständnis der Schülerinnen und Schüler für Rechtsgrundsätze fördern. Darüber hinaus erhalten sie Einsicht in die Gestaltung der rechtlich geregelten Beziehungen zwischen Individuum, Gruppe, Organisation und Institution. In enger Beziehung zu anderen Unterrichtsfächern soll Rechtskunde absichern, dass Jugendliche eine an sittlich-moralischen Grundsätzen anknüpfende breite rechtliche Orientierung erhalten, durch die sie unsere Gesellschaft mit ihren differenzierten Strukturen und Gestaltungsräumen besser erfassen und ihre Lebenswelt unter den Prämissen Mündigkeit, Selbstständigkeit und soziale Verantwortung aktiv ausgestalten können. Insbesondere sollen rechtliche Regeln für die Austragung von Konflikten vermittelt werden. Dabei stehen interessante Themen, wie z.B. Freizeit und Recht, Strafrecht, Jugendstrafrecht, Familienrecht, Ausbildung und Recht u.a. im Mittelpunkt der Betrachtung. Expertengespräche und der Besuch von Gerichtsverhandlungen dienen der praktischen Umsetzung theoretisch erworbenen Wissens.

Das Wahlpflichtfach Rechtskunde kann bereits im 9. Schuljahrgang gewählt und bis zum 12. Schuljahrgang fortgesetzt werden. In allen Schuljahren sollen die Schülerinnen und Schüler zum stetigen Hinterfragen von Aktualität und Angemessenheit des Rechts angeregt werden, d.h. sie sollen ein kritisches Rechtsbewusstsein als Voraussetzung für gerechtes Handeln erwerben. Besonders engagierten Schülerinnen und Schülern ist es bereits zum dritten Mal gelungen beim Landeswettbewerb AEUR?Alles rechtens?AEURoe, der Kreativität und Wissen erfordert, vordere Plätze zu belegen.

"Erfolg hat keiner, der das Recht verhöhnt; Wer treu dem Recht, dem bleibt die Hoffnung treu." Euripides (1,267), Helena. In diesem Sinne viel Spaß beim Erkunden des Rechts.

Erfolge der Schüler

Stephaneer erfolgreich im Schülerwettbewerb "Justiz im Nationalsozialismus". Der Rechtskundekurs 2009 belegt den 2. Preis in der Altersklasse 11 bis 12 beim Wettbewerb Rechtskunde des Justizministeriums des Landes Sachsen Anhalt.