Geschichte

Hier finden sich Materialien des Fachbereiches Geschichte am Stephaneum.

Plakat als historische Quelle

Plakate sind ein Massenmedium. In einer meist großen Stückzahl richten sie sich an ein breites Publikum.

Zu Ihren Aufgaben zählen u. a:

  • Information
  • Erwerben von Zustimmung
  • Werbung
  • Diffamierung von Gegnern
  • Bewegung zur Aktion.

Um auch den schnellen und uninteressierten Betrachter zu erreichen, müssen Plakate Aufmerksamkeit hervor rufen. Also müssen sie auffällig, eingängig und wirkungsvoll gestaltet sein.

Sie sind großformatig und grafisch gestaltet.

Zwei thematische Großgruppen von Plakaten lassen sich unterscheiden:

1. politische Plakate;

  • Wahlplakate als ein Instrument im Wettstreit der Parteien;
  • Propagandaplakate als Instrument zur Auseinandersetzung mit dem Gegner (vorzugsweise im Krieg oder im ideologischen Kampf)
  • sozialkritische Plakate prangern gesellschaftliche Missstände an

2. Werbeplakate

Wie lassen sich Plakate als historische Quellen nutzen?

Die Besonderheit politischer Plakate liegt darin, dass in ihnen verdichtet und zugespitzt eine zeitgenössische Perspektive, ein Programm, ein Werturteil oder eine Ideologie veranschaulicht werden soll.

Es lassen sich nicht nur Überzeugungen und Meinungen, sondern auch Wirkungsabsichten anhand dieser Quellen besonders gut nach vollziehen.

Werbeplakate geben  Aufschluss über Alltags- und Mentalitätsgeschichte.
Man kann davon ausgehen, dass sich zeittypische Interessen, Haltungen, Bedürfnisse und Sehnsüchte in Werbeplakaten recht zuverlässig widerspiegeln.

Analyseschritte

1. äußere Merkmale

  • Welche politische Gruppierung steht hinter dem Plakat?
  • Wann entstand das Plakat?
  • Welche Ziele werden mit dem Plakat verfolgt
  • An wen ist das Plakat gerichtet (Adressat)?

2.  inhaltliche Aussage des Plakats Was wird dargestellt?

  • Welche Symbole werden benutzt?
  • Welche Motive wurden gewählt?
  • Welche Texte unterstützen das "Bild"?
  • Wird an bestimmte Ereignisse erinnert? An welche?
  • In welchen (politischen, ökonomischen, kulturellen) Kontext ist das Plakat einzuordnen?  

3. Gestaltung

  • Welche grafischen Stilelemente werden verwendet?
  • In welchem Verhältnis stehen Text und Grafik?
  • Welche rationalen, welche emotionalen Komponenten sind zu erkennen?  

4. Folgerungen

  • politische, gesellschaftliche und ökonomische Vorstellungen  und Ziele
  • An wen/ gegen wen wendet sich das Plakat?
  • welche Erfahrungen, Vor-)urteile und Wünsche werden angesprochen? 
  • Welche Emotionen werden geweckt? Welche Stereotypen (Muster, Vorurteil, Klischee) werden bedient?

Geschichtskarten als historische Quelle

Geschichtskarten können schnell und unkompliziert Informationen vermitteln.

Sie veranschaulichen einen bestimmten von der Forschung erarbeiteten Sachverhalt:

  • die Entwicklung eines historischen Raumes,
  • seine Veränderung sowie
  • die Veränderung seiner Grenzen.

Orientierung/ Beschreibung

  • Was ist das Thema der Geschichtskarte?
  • Welche Gebiete werden für welchen Zeitraum dargestellt?
  • Geht es um einen Zustand oder eine Entwicklung?
  • Was bedeuten die in der Karte verwendeten Symbole, Signaturen und Farben?

Wichtig: Beachte die Unterschrift und die Legende sowie Farben, Symbole, und Pfeile. 

Auswertung

  • Welche Kernaussage ist in der Karte enthalten?
  • Erläuterung von Verbindungen oder Beziehungen zwischen den Einzelinformationen der Karte incl. Ableitung möglicher Auswirkungen und Folgen!
  • Wie steht die Aussage der Karte zu unseren bisherigen historischen Kenntnissen?

Kartenkritik/ Beurteilung

  • Was zeigt die Karte nicht?
  • Wurden bestimmte Symbole, Einzelheiten besonders hervorgehoben?
  • Beurteilung raum-zeitlicher Strukturen, Beziehungen und Prozesse .

Fotografie als historische Quelle

Fotos geben Informationen über eine konkrete Zeit und Situation. Sie zeigen nur einen Ausschnitt aus der Wirklichkeit. Fotos können nachträglich verändert worden sein.

Beschreibung

1. Was ist genau erkennbar? (Bildausschnitt)

  • Personen,
  • weitere Bildelemente,
  • Beziehung der Personen und
  • Bildelemente zueinander.

2. Handelt es sich um ein Farb- oder Schwarz-Weiß-Foto?

Da Fotos oft als Kopie vorliegen, kann nicht automatisch auf ihren Schwarz-Weiß
Charakter geschlossen werden.

Analyse / Interpretation

  1. Ist die dargestellte Situation statisch oder dynamisch?
  2. Wie werden Personen in Aktion gezeigt? (Mimik, Gestik, Handlung)
  3. Sind Symbole dargestellt? Welche Funktion haben sie?
  4. Aus welcher Perspektive ist das Bild entstanden? Welche Wirkung hat die Perspektive?
  5. Welche Wirkung haben Hell-dunkel-Effekte?
  6. Wird der Betrachter emotional berührt oder erweckt das Foto Antipathie?
  7. Was ist über den Fotografen, die Entstehungszeit, den Entstehungsort, den Auftraggeber, den Adressaten, die Publikation bekannt?
  8. Welche Intention kann vermutet werden?

Einordnung in den historischen Kontext

Quellenkritik

  1. Ist die dargestellte Situation eine typische oder außergewöhnliche?
  2. Stimmen erkennbare Intention und Bildwirkung überein?
  3. Spiegelt sich in der Darstellung eine bestimmte Ideologie oder allgemeine Einstellung der Zeit wider?
  4. Dient das Bild der Veranschaulichung, der Aufklärung oder der Propaganda?
  5. Handelt es sich um eine nachträglich gestellte oder retuschierte Aufnahme? Welchen Grund könnte es dafür geben?

Intention: Die Antworten müssen zueinander in Beziehung gesetzt werden, um die Aussage und Intention zu deuten.

Denkmal als historische Quelle

"Nichts macht die Vergänglichkeit stärker bewusst und unterliegt selbst der Vergänglichkeit, als die in Stein gemeißelten Versuche, die Vergangenheit aufzuhalten." (Georg Kreis, Historiker)

Hilfsschritte für die Interpretation

1. Autor, Adressat:

  • Aus welchem Anlass wurde es erschaffen?
  • Wer gab den Auftrag, hat die Errichtung finanziert?
  • Wer hat es erschaffen?
  • Für wen wurde es errichtet?

2. Formale Analyse:

  • Wann wurde es errichtet?
  • Aus welchem Interesse, mit welcher Absicht wurde es errichtet?
  • Was ist dargestellt? (Personen, Symbole, Gegenstände, Obelisk, AEUR¦)
  • Beschreibung des Denkmals mit allen Details
  • Wie lautet die Inschrift, falls vorhanden?
  • Woraus wurde es hergestellt?
  • Wo wurde das Denkmal errichtet?
  • Hat der Ort damals/ bis heute eine besondere Bedeutung?
  • Gab/Gibt es dort regelmäßige Gedenkveranstaltungen an diesem Ort?
  • Wie wurde das Thema künstlerisch umgesetzt?
  • Was erfährt der Betrachter nicht?

3.    Eindruck:

  • Wie wirken die dargestellten Personen? (ergreifend, befremdend)
  • Werden Gefühle sichtbar? (Trauer, Angst, militärische Tugenden)

4.    Bewertung, Erkenntnis:

  • Wird der Betrachter von der geplanten Absicht überzeugt?
  • Welchen Beitrag leistet das Denkmal heute noch für die Vermittlung von Geschichte?

Typisierung verschiedener Denkmale

  • Mahnmal
  • Siegesdenkmal
  • Erinnerungsdenkmal
  • Kriegerdenkmal
  • Nationaldenkmal
  • Bildungs- und Kulturdenkmal
  • Ehrendenkmal

Fundstelle

Guhra, Peter: Denkmäler am "Münchner Platz" Expedition Geschichte, Von der Zeit des Imperialismus bis zur Gegenwart, Moritz Diesterweg Verlag, Frankfurt am Main 2007, S.177

Karikaturen als als historische Quellen

Grundsätzlich gilt: Karikaturen (von italienisch caricare = überladen, übertreiben) sind historische Bildquellen, die geschichtliche Zustände oder Prozesse bewusst übertrieben wiedergeben. Es sind Momentaufnahmen, die eine zeitgenössische subjektive Meinung darstellen. Sie üben Kritik und sollen den Betrachter zum Nachdenken und eventuell auch zum Handeln bewegen. Es ist nicht ihre Aufgabe, die Realität so wiederzugeben, wie sie ist. Das muss bei der Interpretation und vor allem bei der Prüfung des Erkenntniswertes immer berücksichtigt werden.

Sekundarstufe I: Arbeitsschritte bei der Interpretation von Karikaturen

1. Beschreibung

Beschreibe möglichst genau die abgebildeten Personen, Figuren Gegenstände. Achte dabei auch auf den Hintergrund, Größendarstellungen, verwendete Farben. Wenn eine Bildunterschrift vorhanden ist, musst du sie ebenfalls benennen.

2. Untersuchung

Entschlüssele die jetzt die dargestellten Personen, Figuren, Gegenstände (Wer wird dargestellt? Welche Symbole, z.B. Waage als Sinnbild für Gerechtigkeit, werden verwendet? Welche Verbindung besteht zwischen Bildunterschrift und Bild?)

Beziehe in die Untersuchung auch ein, welche Mittel der Überzeichnung verwendet werden.

3. Verbindung

Stelle eine Verbindung zwischen dem zeitgenössischen/geschichtlichen Hintergrund und der Karikatur her (z.B. Geschichtsbuch, Lexikon): Auf welche Ereignisse oder Zustände hat sich der Karikaturist bezogen?

4. Deutung

Was soll die Karikatur zum Ausdruck bringen, was sagt sie aus?

5. Erfassen der Intention

Was soll die Karikatur bei den Zeitgenossen bewirken?

6. Bewertung / Erfassen des Erkenntniswertes

Welche Wirkung hat sie auf den heutigen Betrachter?

Fundstellen

Klett Geschichte und Geschehen Sekundarstufe I, Band 3, Leipzig 2004, S. 194.

Diesterweg Expedition Geschichte 3, Frankfurt a. M. 1999, S. 173

 

Sekundarstufe II: Arbeitsschritte bei der Interpretation von Karikaturen

Grundlage ist die Beachtung des Untersuchungsaspekts (Schwerpunktfrage).

1. Formale Aspekte

  • falls bekannt Einordnung des Zeichners/ des Auftraggebers (ggf. soziale Herkunft, gesellschaftliche Stellung, Wertmaßstäbe)
  • Entstehungszeit bzw. Veröffentlichung der Karikatur
  • Titel, Zusatzkommentar (Bildunterschrift) vorhanden?
  • Thema erfassen

2. Inhaltliche Aspekte

  • Beschreibung der Gestaltungsmittel: Figurendarstellung, wie Mimik, Gestik, Kleidung, Gegenstände, Symbole, Metaphern, Personifikationen, Vergleiche, Allegorien, Proportionen, Schrift
  • Einbezug eventueller Zusatzkommentare
  • Deutung der einzelnen Gestaltungsmittel, Erfassen der zentralen Aussage, Klären, welche Fragen offenbleiben

3. Einordnung des Materials in den historischen Kontext

4. Quellenkritik

  • Erfassen möglicher Intentionen des Zeichners bzw. Auftraggebers
  • Erfassen der subjektiven Stellungnahme durch den Zeichner (Für wen wird Partei ergriffen?)
  •  Beschreiben der gewünschten Wirkungen beim zeitgenössischen Betrachter
  • Herstellen eventueller Verbindungen zu weiteren bekannten zeitgenössischen Quellen
  • Prüfen, inwieweit die Karikatur den historischen Gegenstand sachlich angemessen wiedergibt
  • Bewerten des Erkenntniswertes der Karikatur aus heutiger Sicht

Fundstelle

Cornelsen Methodentrainer Geschichte Oberstufe Quellenarbeit- Arbeitstechniken- Klausurentraining, Berlin 2010, S. 35