Schulprofile am Stephaneum

Europaschule, anerkannte UNESCO-Projektschule und Schule ohne Rassismus/Schule mit Courage - das Stephaneum ist gegenwärtig die einzige Schule bundesweit, die diese Kombination aus Schulprofilen aufzuweisen hat. 

Unter einem Schulprofil wird die besondere inhaltliche Ausrichtung einer Schule verstanden, die sich idealerweise im Schulprogramm, dem Unterricht in Projekten, Workshops und im gesamten übrigen schulischen Alltag wiederfindet. Schulen mit einem Profil unterscheiden sich dadurch von "normalen" Schulen, dass sie sich freiwillig dazu entschlossen haben, ihren Schülern mehr zu bieten als nur Unterricht im herkömmlichen Sinne. 

Geschichte und Gegenwart

Das älteste der drei Profile ist der Titel "Europaschule". Nach der Fusion mit dem Gymnasium Ascaneum wurde das Stephaneum 2008 offiziell als UNESCO-Projektschule (UPS) durch die UNESCO in Paris anerkannt. Schließlich kam 2009 noch als jüngste Errungenschaft der Titel "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" (SOR-SMC) dazu. 

Grundidee aller drei Profile ist, Schüler und Lehrer mit Chancen und Herausforderungen einer zusammenwachsenden Welt vertraut zu machen. Sei es, ihnen die Werte, Institutionen und Funktionsweisen der Europäischen Union näher zu bringen, antirassistische Arbeit durchzuführen oder die breite Palette der UNESCO-Themen zu bedienen - all das ist die Schnittmenge des Kerngeschäfts aller drei Profile. 

Praktisch geschieht dies im Rahmen von Schüleraustausch, der Teilnahme der Lehrer und Schüler an Fortbildungen, der Arbeit in Netzwerken sowie der regelmäßigen Durchführung von Projekten und Workshops in der Unterrichtszeit. Schüler lernen dabei, wie Globalisierung funktioniert, welche Bedeutung Menschenrechte haben, welche Rechte und Möglichkeiten ihnen die EU bietet, wie man selbst Projekte organisiert und wie wichtig zivilgesellschaftliches Engagement für eine funktionierende Demokratie ist. 

Im Ergebnis können die Schüler, die das Angebot für sich annehmen, Kompetenzen erwerben, die sie den Absolventen anderer Schulen voraushaben. Schüleraustausch ist deshalb immer auch an Projektarbeit gebunden und für die Teilnahme qualifiziert ist nur, wer sich auch für seine Schule oder Projekte engagiert. Besonders engagierte Schüler finden sich in der Gruppe der Schulprofilmanager, die sich das ganze Jahr über aktiv in die Schulprofilarbeit mit einbringen. 

Herausforderungen

Die Verleihung und der Erhalt der mit den Profilen verbundenen Titel sind natürlich an die ständige Erfüllung hohe Anforderungen gebunden. Lässt der Elan bei der Umsetzung der Inhalte irgendwann nach, so kann dies sehr schnell zum Verlust der Titel führen. Der Erhalt der Titel ist an verschiedene Kriterien gebunden. Dazu gehört u.a. für jedes Profil ein umfangreicher jährlicher Bericht, in dem alle profilspezifischen Aktivitäten zu dokumentieren sind sowie die regelmäßige Teilnahme und Mitarbeit in den Netzwerken der UPS, der EU-Schulen und der SOR. Es gehört zum Pflichtprogramm, Partnerschaften zu andern Ländern zu pflegen, Workshops und Projekte durchzuführen, die Profilinhalte in den Unterricht zu implementieren und offensiv für die Werte der Schulprofile einzutreten. 

Die Durchführung von Projekten ist natürlich an einen erheblichen organisatorischen und finanziellen Aufwand gebunden, der nur bewältigt werden kann, wenn sich Lehrer und Schüler dafür aktiv und über die unterrichtliche Verpflichtung hinaus dafür einbringen. Auch die unbürokratische Unterstützung der Projekte durch Förderkreis und Ehemaligenverband sind hierfür unentbehrlich. Nicht zuletzt wegen dieser guten Voraussetzungen konnte sich das Stephaneum innerhalb der Netzwerke in Sachsen-Anhalt und auch darüber hinaus einen sehr guten Ruf erarbeiten. Nachfolgend eine Kurzvorstellung der Spezifika der einzelnen Profile und ihrer aktuellen Aktivitäten:

Europa

Die jüngsten politischen Entwicklungen sorgen innerhalb der EU für eine wachsende Skepsis. Viele Menschen meinen, für Deutschland seien die EU und der Euro ein Klotz am Bein. Wir versuchen, dem mit nüchternen Fakten zu begegnen und darüber zu informieren, welche immensen Vorteile Deutschland und ganz speziell Sachsen-Anhalt durch die EU hat und auch weiterhin haben wird. 

Gleichzeitig schaffen wir durch Schüleraustausch mit Dänemark, Finnland und bald auch Polen die Möglichkeit zur Begegnung und der Arbeit an gemeinsamen Projekten. Reserven bestehen hier noch in einer Schärfung der Kriterien für die Qualifizierung für die Teilnahme und die Projektorientierung der Schulkontakte. 

Mit der Bildungsvereinigung GoEurope! aus Magdeburg pflegen wir eine enge Kooperation; Schüler und Lehrer nehmen regelmäßig an Workshops, Fortbildungen und Veranstaltungen teil, die GoEuorpe landesweit anbietet. Hinzu nehmen wir an den Treffen und Fortbildungen des Netzwerks der Europaschulen teil. Bisheriger Höhepunkt war u.a. die Teilnahme an einer Informationsfahrt nach Mons und Brüssel im Rahmen eines Europaprojekts. 

UNESCO

Menschenrechtserziehung, Friedenserziehung, Demokratielernen, Umweltbildung, interkulturelles Lernen, globales Lernen und Wissen um Weltkulturerbe sind die Kernthemen der UNESCO. Es waren die UNESCO-Schulen, die als Vorreiter diese Themen, die mittlerweile Allgemeingut sind, in der deutschen Schullandschaft überhaupt erst nachhaltig etabliert haben. UNESCO Schulen haben den Anspruch, für zukunftsweisende Themen und Arbeitsweisen Vorreiter zu sein, ohne sich dabei aber als Elite begreifen zu wollen. 

Zur Anerkennung als UNESCO-Projektschule gehört ein langjähriger mehrstufiger Prozess, der schließlich urkundlich durch die UNESCO-Zentrale in Paris bestätigt wird. Mit der Anerkennung wurde das Stephaneum Mitglied eines weltumspannenden Netzwerks von 9000 Schulen. 

Zur Mindestanforderung an den Erhalt des Titels gehören neben der Pflege von internationalen Kontakten die permanente und öffentliche Arbeit zu allen Kernthemen der UNESCO im schulischen Alltag. Neben unzähligen Workshops und Projekten konnte das Stephaneum u.a. einen Kontakt in den Oman aufbauen, kooperiert mit dem Gymnasium Lüchow, arbeitet zum Denkmalschutz und beteiligt sich regelmäßig an regionalen und bundesweiten Fachtagungen. Reserven bestehen hier vor allem noch in der Implementierung der Gedanken der UNESCO in den unterrichtlichen Alltag und dem Umgang mit aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen. 

SOR-SMC

Ursprünglich von Schülern in Belgien gegründet, ist es nun eines der größten international existierenden Schulnetzwerke. Jede Schule sucht sich eine prominenten Paten. Verpflichtend zum Programm gehört das aktive Eintreten für Werte wie Toleranz und Demokratie. Das Stephaneum nimmt regelmäßig an den Landestreffen teil, veranstaltet eine Vielzahl von Workshops, ist in verschiedenen Bündnissen hervorragend vernetzt und genießt in diesem Bereich einen außerordentlich guten Ruf. Hinzu kommt eine jährliche Fahrt nach Krakau und Auschwitz. 

Kaiserreich, Nationalsozialismus, DDR - Deutschland hat leider eine lange antidemokratische Tradition, die fast immer auch mit Rassismus, also dem Denken in Gruppen und Vorurteilen, verbunden war. Das größte Problem dabei waren und sind nicht die Handvoll Extremisten, die sich auch als solche zu erkennen geben, sondern die schweigende Mitte der Gesellschaft, die sich nur allzu oft gerne aus der Verantwortung stiehlt. 

Die Idee dieses Netzwerks basiert darauf, Schulen dafür zu sensibilisieren, dass eine Demokratie von allein nicht funktioniert und es nicht wünschenswert ist, Problemen und Bedrohungen durch den Staat, also per Gesetz oder Verbot, zu begegnen. Demokratie ist anstrengend, oftmals frustrierend und sicherlich nie perfekt - aber eben wesentlich besser als alles andere, was bisher in Deutschland ausprobiert wurde. Nicht wegzuschauen, sondern Verantwortung zu übernehmen, dafür steht dieses Profil. 

Ausblick

Im Zuge der Profilierung haben sich einige Strukturen neu gebildet oder verändert. Auf der Habenseite stehen klar die gute Vernetzung und Kooperation mit externen Bildungsträgern und Referenten, wodurch ein sehr breites Angebot zusätzlich zu klassischen Unterrichtsinhalten geboten werden kann.

Welche Herausforderungen bringt die Zukunft? Erst kürzlich geschlossene Kooperationen müssen in den Schulalltag eingearbeitet werden, die existierenden Partnerschaften müssen qualitativ so weiterentwickelt werden, dass sie nicht normale, durchschnittliche Schulpartnerschaften bleiben, sondern Alleinstellungsmerkmale des Stephaneums werden. 

Weiterhin wird es Aufgabe aller sein, die vielen weiteren Aktivitäten der Schule - angefangen beim Chor bis hin zu AGs und Theatergruppe - und die Schulprofile untereinander abzustimmen, um die bisherige Vielfalt nachhaltig zu sichern und auszubauen. Es haben bereits viele ehemalige Schüler an der Ausgestaltung der Schulprofilarbeit mitgewirkt - weitere Mitwirkende sind herzlich willkommen. 

Weiterführende Links

Ansprechpartner

Leitung Steuergruppe "Schulprofil"

Name: Bernd Labza
E-Mail:b.labza(at)stephaneum.de
Sprechzeiten: nach Vereinbarung

Schulprofilwoche 2012

Aktuelle Informationen zur Planung gibt es:

  • hier, EUROPA-UNESCO-SOR/SMC Woche 2012

Schulprofilwoche 2011

Die Schulprofilwoche 2011 ging vom vom 23. bis 27. Mai 2011.

  • der Beitrag unter "Aktuelles & Termine", hier.

Interview mit Bernd Labza über die Schulprofilwoche 2011

Quelle: Mitteldeutsche Zeitung vom 27. Mai 2011 - durchgeführt wurde das Interview von der MZ-Redakteurin Regine Lotzmann.

Welchen Höhepunkt hat die Schulprofilwoche in diesem Jahr zu bieten?
Labza: Das ist eindeutig der Besuch unserer Paten MC Albino und MadCap, die am Montag einen Workshop durchgeführt und ein Konzert gegeben haben. Hiphop, Rappen, Break Dance und Graffiti standen da auf dem Programm. Den beiden geht es dabei nicht um das größte Goldkettchen, sie machen ursprünglichen Hiphop, der sich bewusst gegen Diskriminierung, Rassismus und Sexismus wendet. Das Wichtigste im Leben, so ihre Botschaft, sei, Respekt voreinander zu haben.

Gibt es weitere ungewöhnliche Angebote?
Labza: Gibt es. Eine Gruppe von etwa 20 Schülern, die eine Fortbildung zu Projektmanagern absolviert haben, führt dieses Mal eigenständig
Workshops durch - dafür ist kein Lehrer mehr notwendig. So gibt es ein zusätzliches Angebot zum Rechtsextremismus, einer der Schüler, der einen italienischen Vater hat, stellte Italien vor, vietnamesische Schülerinnen ihr Land - von der Kultur über die Musik, die Schrift, den Alltag bis hin zum Kochen.
Und auch das Projekt auf der Burg Falkenstein wurde von Schülern mit vorbereitet.

Wie sind Sie mit der Woche zufrieden?
Labza: Sehr. Am Montag gab es zwar kleinere Probleme durch die Lokführerstreiks, da sind einige Referenten nicht angekommen. Aber wir haben spontan alles so geändert, dass es doch noch geklappt hat. Auch die Finanzierung war ein bisschen schwieriger. Ein Kooperationsvertrag mit der Landeszentrale für politische Bildung hat uns darüber hinweggeholfen.

Schulprofilwoche 2010

Die Schulprofilwoche 2011 ging vom vom 03. Mai bis 07. Mai 2010

  • der Beitrag unter "Aktuelles & Termine", hier.