...am 29.06.1325 wurde unsere Schule das erste Mal erwähnt!

Stephanikirche ums Jahr 1100
Johannisturm um 1800
altes Stephaneum von 1700-1875
Aula um 1926

Die Geschichte der deutschen Schule beginnt mit Karl dem Großen um 800. Er gab den Auftrag an Bischöfe und Klöster, Schulen zu gründen. Schon damals entstand ein erstes zusammenhängendes Schulwesen. Vielleicht ist unser Stephaneum in dieser Zeit gegründet worden. Allerdings verliert sich der Ursprung dieser Schule im Dunkel der Vergangenheit. Eine Stiftungsurkunde liegt nicht vor und ist vielleicht niemals vorhanden gewesen. Im Mittelalter wurden Schulen zunächst als Klosterschule eingerichtet und bildeten damit den Mittelpunkt des geistigen Lebens. Die dem Heiligen Stephanus geweihte Hauptkirche unserer Stadt gab daher auch unserer Anstalt ihren Namen.

In Aschersleben hatte sich die Domina des Nonnenklosters "Sanctae Mariae Virginis" das Patronatsrecht über die Schule von dem Grafen von Askanien erbeten und 1309 bestätigt bekommen. Der Rat der Stadt bezahlte aber die Lehrerstelle aus Gemeindemitteln, jedoch ohne Entscheidungen über die Personalbesetzung treffen zu dürfen. Darüber kam es zu einem langwährenden Streit zwischen dem Rat der Stadt und dem Domscholastikus bzw. dessen Stellvertreter, dem Probst von St. Stephani. Der Zwist wurde am 29. Juni 1325 durch einen gütlichen Vergleich beigelegt. Beide Dokumente sind im Ratsarchiv Aschersleben vorhanden und gelten als Gründungsdatum. Damit wird als Gründungstag unserer Schule der 29. Juni 1325 angenommen.

Der Ruf nach Veränderung in der Geschichte ist oft der Ausdruck wirtschaftlicher und politischer Unzufriedenheit. So auch zur Zeit Martin Luthers. Seine Thesen waren es, die eine Reform der Kirche forderten. Seine Thesen waren es, die Jubel und Abwehr zugleich hervorriefen, und seine Thesen waren es, die letztlich dazu führten, dass eine reformierte Kirche entstand. Um den Protestanten eine Plattform in der Gesellschaft zu verschaffen, forderte Luther die Bürgermeister und Ratsherren deutscher Städte auf, christliche Schulen einzurichten, die den neuen Geist repräsentierten. Diesem Ideal folgte auch der damalige Rektor des Stephaneums, Petrus Leutz. Die Schule trug unter seinem Wirken zur Reformationsbewegung bei und wurde später in den ausbrechenden Bauernkrieg hineingezogen. 1512/1513 hatte der Führer des Bauernaufstandes, Thomas Müntzer, an dieser Schule gewirkt und die Bürgerschaft mit seinen Ideen vertraut gemacht. Kulturlosigkeit und Verwahrlosung, Zuchtlosigkeit und ungeheure Schäden gingen mit dem Bauernkrieg einher. Eltern weigerten sich, die Kinder zur Schule zu schicken.

Lehrer standen vor leeren Bänken

Ab 1526 führte das Stephaneum ein Scheindasein. Zu einer Neugestaltung von Schulen kam es erst im Jahre 1542 mit der Gestaltung freier Religionsausübung. Jetzt öffnete das Stephaneum wieder seine Pforten für wissbegierige junge Leute und zwar als Stadtschule im wahrsten Sinne des Wortes. Der Rat übernahm die Sorge für alle Angelegenheiten der Schule. Seit 1513 wurde im neuen Schulbau unterrichtet. Der Rat der Stadt Aschersleben erwarb von 1526 an den gesamten Besitz des durch den Bauernkrieg verödeten Nonnenklosters und seine Konsequenz war wohl auch ein Stephaneum mit neuen Bildungsinhalten, die man zu Beginn unserer Neuzeit wohl durchaus progressiv nennen konnte. Es ist das heute noch erhalten gebliebene "Alte Stephaneum" hinter der Stephanikirche."Für Kirche und Staat zu erziehen, den Menschen somit zu einem Bürger des Reiches Gottes und zu einem brauchbaren Gliede des städtischen Gemeinwesens heranzubilden" entsprach dem Bildungsideal dieses Zeitalters. Somit sollten Schüler mit der Glaubenslehre, den klassischen Sprachen, mit der Lyrik, Rhetorik, Arithmetik vertraut gemacht werden. Starke Betonung lag auch auf der erzieherischen Aufgabe der Schule, indem sie vorschrieb, dafür zu sorgen, "dass schon in zarter Jugend die Knaben sich an die Bescheidenheit gewöhnen". Schule sah sich durchaus als Hüterin von Zucht und Tugenden. Man legte großen Wert auf Umgangsformen, wohl gerade deshalb, um dem missverstandenen Freiheitsbegriff der Unruhejahre entgegenzuwirken.
Ordnung, Pünktlichkeit, Gewissenhaftigkeit, Höflichkeit und Gefälligkeit waren Normen, die das Miteinander bestimmten. Schulen des 16. Jahrhunderts kamen nicht umhin, trotz ihrer einseitigen Einstellung auf den Lateinunterricht zunehmend auch die deutsche Sprache zu berücksichtigen. Viele Schulmänner dieser Zeit fürchteten, dass ihre Schulen infolge der Pflege der deutschen Sprache in dem Urteil ihrer Zeitgenossen mit dem "Makel der Minderwertigkeit" belastet wurden. Als Fortschritt ist deshalb die Anordnung der Ascherslebener Schulbehörde zu sehen. Verstärkte Aufmerksamkeit wurde dem Lateinunterricht gewidmet. Somit befand sich die höhere Bürgerschule im Aufwind und im Trend der Zeit. Steigende Schülerzahlen und ein neues Schulgebäude im Jahre 1847 sind Beweis dafür. Mit dem Jahre 1851 trat die Schule in die Reihe derjenigen höheren Anstalten, welche nun auch das Recht hatte, Schüler zur königlichen Bauakademie in Berlin zu entlassen. Die Realschule war jetzt unmittelbar neben das Gymnasium gerückt.
Mit dem Jahr 1860 wurde erstmals das Fach Englisch unterrichtet. 1864 durfte sich das Stephaneum Realschule 1. Ordnung nennen. Die Chronik vermerkt: "Eine glückliche Entwicklung setzte jetzt ein." So nahmen die Schülerzahlen stetig zu, deshalb mussten Parallelklassen eingerichtet werden. Damit wurde das Bedürfnis nach einem größeren Schulgebäude dringender. 1870 wurde der Beschluss zum Bauen gefasst und 1875 wurde ein Neubau am Promenadenring in unmittelbarer Nähe des Rondells und Klosterhofes fertiggestellt. Es ist das heute noch bestehende und als Schule genutzte Gymnasium. Jetzt konnten auch solche naturwissenschaftlichen Fächer wie Chemie, Physik und Botanik erteilt werden. Mit der Schulreform des Jahres 1882 gelang die weitere Annäherung an das Gymnasium durch Verstärkung des Lateinunterrichts. Jetzt durfte sich das Stephaneum Realgymnasium nennen. Damit herrschte strenge Schulzucht, die es selbst 1889 nach verbot, nach Abiturienten-Examen Schülerbälle durchzuführen. Selbst der Besuch öffentlicher Theaterveranstaltungen bedurfte der ausdrücklichen Zustimmung des Direktors. Auch die Ferien waren der Willkür des Schulleiters ausgesetzt und erst ab 1873 wurde dieser durch allgemeine Regelungen vorgebeugt.

1887, zwei Jahre nach dem Beginn der Umwandlung des Stephaneums in ein Gymnasium, verfügte Aschersleben über eine humanistische Bildungseinrichtung. 1901 erhielt diese Lehranstalt eine eigene Turnhalle. Jetzt wird die ganze Persönlichkeit des Schülers bewertet und dabei werden auch sehr gute Leistungen in solchen Fächern wie Zeichnen, Turnen, Musik, also jede besondere Befähigung, beachtet.

Kaum eine Zeit hat so tiefgreifende Veränderungen auf dem Gebiet des höheren Schulwesens hervorgerufen wie die Zeit um die Jahrhundertwende. Der Fremdsprachenunterricht wurde erweitert, so dass jetzt neben Latein und Englisch auch Französisch unterrichtet wurde. Naturwissenschaftliche Fächer wurden verstärkt gelehrt. Kunstverständnis wird durch Unterrichtsbesuche vertieft.

Tiefe Einschnitte hinterließ der Erste Weltkrieg

Lehrer wie Schüler zogen laut Chronik bei Beginn der Mobilmachung ins Feld. Viele kehrten nicht zurück. Schule dieser Zeit war geprägt durch einen ständigen Wechsel der Lehrkräfte, kalte Schulgebäude in den Wintermonaten, sonstige Unterrichtsunterbrechungen. Eine Beurteilung der Schüler war deshalb häufig kaum möglich oder realistisch. In den Jahren 1909 - 1911 wurde das humanistische Gymnasium stufenweise in ein Reformgymnasium umgewandelt. Die angeglichene Realschule wurde beibehalten.

Die Fahne des Gymnasiums um 1890
Gymnasium u. Kriegsdenkmal
Lageplan der Schule um 1910 nach dem Umbau