1600 - 1836

Adam Olearius "Die morgenländische Reisebeschreibung" von 1647
Einladung zur Einweihung des neuen Gebäudes am 27. September 1745
altes Stephaneum um 1875

Um Schüler zu trefflichen Staatsbürgern zu erziehen, hatten sich bereits zu dieser Zeit Bürgermeister und Ratsmänner hervorgetan, die weder Mühe noch Kosten scheuten, um besonders begabte junge Menschen zu fördern. Die Chronik des Jahres 1925 stellt zusammenfassend für die Zeit um 1600 fest: "Überblickt man noch einmal die Entwicklung, die das Stephaneum im Verlaufe des Jahrhunderts genommen hat, so geht daraus hervor, dass das, was dem Erasmus, dem Luther und vor allem dem Melanchthon als Ideal einer Schule vorgeschwebt hat, verwirklicht worden ist, soweit es erreichbar war." Zu Beginn des 17. Jahrhunderts verhinderten die Umstände der Ereignisse des 30-jährigen Krieges eine Fortführung bzw. Weiterentwicklung dieser Tradition. Not und Tod zwangen die Lehrer, das Amt aufzugeben. Erst im Jahre 1649 wurden Lehrerstellen neu besetzt, Inhalte neu diskutiert. Nicht mehr wie im vorangegangenen Jahrhundert steht die Glaubenslehre an erster Stelle, sondern die deutsche Sprache, so auch am Ascherslebener Stephaneum. Mit dem Westfälischen Frieden wurde ein neuer Zeitgeist geboren, aus dem eine neue weltliche Wissenschaft hervorging, die sich von der Autorität und Tradition der Kirche löste und sich auf Vernunft gründen wollte.

Praktische Pädagogen zum Ende des 17. Jahrhunderts unternahmen den letzten Versuch, "das gesamte Dasein unter religiösem Gesichtspunkt zu fassen". Der Pietismus wurde für das Stephaneum von Bedeutung. So lag das Hauptgewicht des Unterrichts auf der Religionslehre. In allen Klassen sollte darauf gesehen werden, dass biblische Stoffe hergesagt und biblische Geschichten erzählt wurden, damit die Schüler auch in deutscher Sprache reden lernten. So übernahm der Religionsunterricht gleichzeitig die Pflege der deutschen Muttersprache. Das über 200 Jahre alte Schulgebäude war bereits 1728 so altersschwach geworden, dass es saniert werden musste. Im Oktober desselben Jahres wurde die Schule durch einen Festakt eingeweiht. Allerdings waren die Arbeiten im Nachhinein als qualitativ so schlecht eingeschätzt worden, dass Eltern sich weigerten, ihre Kinder in diese Schule zu schicken. 1744 kam es zu einem Neubau. Der Baukörper ist seitdem unverändert geblieben und wurde als Schule noch bis 1846 genutzt. Die Aufklärung, fast zeitgleich mit dem Pietismus entstanden, entwickelte auf dem Gebiet des Unterrichts großen Eifer. Die Idee der Realschule als neue Bildungsstätte für das Bürgertum setzte sich durch. Damit entstand die neuhumanistische Bewegung.

Die Veränderung in der Gliederung der Gesellschaft ging am Anfang des 19. Jahrhunderts weiter vor sich. Dem wohlhabenden Bürgertum stand eine weniger bemittelte Schicht gegenüber und beide verlangten von der Schule eine zweckentsprechende Ausbildung: einerseits Studium, andererseits praktische Ausbildung. Damit entstand das Gymnasium. Seit Beginn des 19. Jahrhundert beschäftigte die Neugestaltung des Stephaneums nicht nur das Stadtparlament. Eine gedeihliche Arbeit konnte insofern nicht zustande kommen, da die Freiheitskriege auch Wirkung auf die Schule hatten. Schüler verrohten zunehmend, Mangel an Lehrkräften, leere Staatskassen. 1835 besuchten nur noch 70 Kinder die Anstalt. Diese Umstände führten am 25. März 1836 dazu, dass die drei letzten Abiturienten entlassen wurden und das Gymnasium aufgelöst wurde. Erst im Oktober 1836, umgewandelt in eine höhere Bürgerschule, wurde der Lehrbetrieb wieder aufgenommen. Über die Unterrichtsziele erfahren wir aus der Chronik, dass "die Ausbildung aller derjenigen Knaben und Jünglinge" bezweckt wurde, "welche sich dem Militärdienst, dem Post-, Bau-, Forstfach sowie den höheren Kreisen der bürgerlichen Tätigkeit widmen wollen." Schüler wurden auf das praktische Leben vorbereitet.