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Ethik - Was ist das und was soll das?

11.04.2019 / Ehtik


Was kann ich wissen? Was soll ich tun?

Was darf ich hoffen? Und was ist der Mensch?

Diese vier Fragen, die sogenannten kantischen Fragen, stellen den Rahmen des Ethikunterrichts an unserer Schule, und nicht nur da. Dies sind Fragen, die sich der ein oder andere sicherlich schon einmal gestellt hat. Im Fach Ethik wird diesen Fragen auf den Grund gegangen, wobei man jedoch schnell feststellt, dass es auf keine abschließenden Antworten gibt. Ziel ist es, die Schüler dazu zu animieren, eigene Thesen zu solchen Problemstellungen zu entwickeln, einen eigenen Standpunkt zu finden, zu vertreten und diesen mit erlerntem Wissen zu stützen. Nicht immer wird jeder Bereich auch in der Praxis anzuwenden sein, so ist die Frage ob wir je irgendetwas wirklich wissen können ein hoch interessantes Thema, doch bietet es wenig Verwendungsmöglichkeit in der Praxis, hier betrachtet der Geist sich selbst. Ob man nun sein erworbenes Wissen direkt in seinen Alltag einbauen kann oder nicht, fest steht, dass man Themen und Fragestellungen kritischer gegenübertritt. Man lernt Sachverhalte zu hinterfragen und sich selbst eine Meinung zu bilden, Fähigkeiten, welche in unserer Gesellschaft so wichtig sind wie nie zuvor.

In dem Teilgebiet der Frage nach dem Wissen, liegt der Fokus auf genau drei sehr unterschiedlichen Theorien, dem Empirismus, welcher besagt, dass die Erkenntnis aus der Wahrnehmung und Erfahrung entsteht, dem Rationalismus, welcher den Ursprung der Erkenntnis in dem Verstand sieht. Und dann wäre da noch die Theorie Immanuel Kants, welcher beide Theorien verbindet. Kant ist nebenbei, eine zentrale Figur der Ethik und hat sich zu beinah allen philosophischen Sachverhalten ausführlich geäußert, weshalb er von seinen philosophischen Zeitgenossen auch liebevoll „der Alleszermalmer“ genannt wurde. Ihm wird man zwangsläufig über den Weg laufen, wenn man sich mit Ethik auseinandersetzt.

So hat er sich in seinen Werken „Grundlegung zur Metaphysik der Sitten“ und in der „Kritik der praktischen Vernunft“ mit der Frage beschäftigt, wie ein Mensch handeln soll. Kants kategorischer Imperativ, als Schluss seiner deontologischen Lehre, beantwortet die Frage, wann eine Handlung richtig und wann falsch ist, mit einem Test. Jeder sollte sich fragen, ob man wollen könne, dass das Prinzip, dem die Handlung folgt, als Gesetz für alle gelte. Dadurch können gewisse Handlungen von Grund auf als schlecht ausgeschlossen werden. Beispielsweise ist die Handlung des Mordes per se schlecht, da nur die Handlung betrachtet wird und nicht die Folgen. Tyrannenmord wäre somit genauso verwerflich wie der Mord an einem Kind. Einen anderen Ansatz versuchen hier die Utilitaristen, diese beurteilen eine Handlung nur nach deren Folgen. Trägt eine Handlung zur Maximierung der Freude aller bei, so ist sie „gut“, tut sie es nicht, oder verringert sogar die Summe der Freuden aller, so ist sie als „schlecht“ zu beurteilen. Der Tyrannenmord, wäre also hier nicht per se „schlecht“, da die Folgen abgewogen werden müssen. Somit würden die Freuden der Bevölkerung womöglich gegenüber den Leiden des Tyrannen überwiegen, womit diese Handlung „gut“ wäre. Solche Problemstellungen finden wir aber nicht nur im Unterricht, denn die Frage nach dem richtig oder falsch beschäftigt tagtäglich die Menschen. So muss überlegt werden, ob man Terroristen foltern darf, wenn man dafür einen weiteren Anschlag verhindern könnte, oder wie sich in Zukunft selbstfahrende Autos im Falle eines Unfalls verhalten sollen. Den Fahrer retten und dafür in die Menschenmenge fahren? Oder gegen den Baum und den Tot des Fahrers in Kauf nehmen?

Unter der Leitfrage „Was ist der Mensch?“ beschäftigt man sich mit der grundlegenden Frage was uns besonders macht, oder ob wir uns wirklich von anderen Tieren abheben. Im Fokus steht hier unter anderem der Wille beziehungsweise die Frage ob wir denn überhaupt einen freien Willen besitzen. Dieses fundamentale Thema, welches bei genauer Überlegung den Sinn des Lebens anzweifeln lässt zeigt bei näherer Betrachtung, dass der Mensch etwas ist, dass sich durch seinen bewussten Willen bestimmt. Anders wären die oft hitzigen Diskussionen zu diesem Thema nicht zu erklären. Ist mein bewusstes Ich überhaupt die Instanz, welche Entscheidungen trifft? Wenn nein, hat mein Leben überhaupt einen Sinn? Glaubt man der Wissenschaft, so existiert der freie Willen nicht, da alle Entscheidungen bereits getroffen wurden, ehe man sich dessen bewusst ist. Und selbst wenn der Wille frei ist, sind es wir automatisch auch? Oder sind wir nicht alle gefangen in Systemen und Strukturen, welche wir nicht überwinden können? Diese Themen mögen vielleicht nicht den größten Nutzen in der Praxis haben, sie berühren aber die Grundlage der menschlichen Existenz. Jemand der sich diesen Fragen verschließt ist vergleichbar mit einem Schauspieler, der sich angewidert von seinem Spiegelbild abwendet.

Diese Debattierfähigkeit vieler Fragestellungen der Ethik macht es notwendig diese im Diskurs mit der Klasse zu bearbeiten. So ist der Unterricht nicht primär auf das stupide Auswendiglernen von Fakten orientiert, sondern setzt seinen Fokus auf Debatten und der Interaktion mit den Mitschülern. Es geht nicht darum, vorhandenes, richtiges Wissen wiederzugeben, sondern darum, einen eigenen, begründeten Standpunkt zu entwickeln und diesen engagiert zu verteidigen. In der Ethik hat weder Tafelwerk, Duden, Lehrbuch oder Lehrer die höchste Autorität. Diese ist dem besseren Argument vorbehalten.

Wie bereits beschrieben, ist das Fach Ethik sehr umfangreich und bietet sogar Wissen fürs Leben. Aber nicht nur, dass, längst gibt es Ethikkommissionen in Krankenhäuser und Unternehmen, welche Antworten auf Fragen wie; „Wer bekommt das Transplantat? Wer nicht?“ finden. Es dient also nicht nur als Grundlage fundierter Gespräche, sondern wird auch in der Wirtschaft immer mehr gebraucht, insbesondere vor dem Hintergrund unserer derzeitigen Situation. Eine Welt, welche scheinbar in Krieg und Katastrophen versinkt, braucht eine junge, gebildete Generation, welche weiß, was wichtig und richtig ist, welche fundierte Argumente von Desinformation und Propaganda unterscheiden kann. Eine Meinung zu haben, Dinge zu hinterfragen und nicht einfach hinzunehmen, eigene Moral- und Wertevorstellungen zu entwickeln, das ist es, was zählt. Der Ethikunterricht bietet dafür die Grundlage und hilft selbstbestimmte und selbstdenkende Menschen zu bilden, die den Mut haben, ihren eigenen Verstand einzusetzen.

von Michelle Linke & Thoralf Merkel


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Was kann ich wissen? Was soll ich tun?

Was darf ich hoffen? Und was ist der Mensch?

Diese vier Fragen, die sogenannten kantischen Fragen, stellen den Rahmen des Ethikunterrichts an unserer Schule, und nicht nur da. Dies sind Fragen, die sich der ein oder andere sicherlich schon einmal gestellt hat. Im Fach Ethik wird diesen Fragen auf den Grund gegangen, wobei man jedoch schnell feststellt, dass es auf keine abschließenden Antworten gibt. Ziel ist es, die Schüler dazu zu animieren, eigene Thesen zu solchen Problemstellungen zu entwickeln, einen eigenen Standpunkt zu finden, zu vertreten und diesen mit erlerntem Wissen zu stützen. Nicht immer wird jeder Bereich auch in der Praxis anzuwenden sein, so ist die Frage ob wir je irgendetwas wirklich wissen können ein hoch interessantes Thema, doch bietet es wenig Verwendungsmöglichkeit in der Praxis, hier betrachtet der Geist sich selbst. Ob man nun sein erworbenes Wissen direkt in seinen Alltag einbauen kann oder nicht, fest steht, dass man Themen und Fragestellungen kritischer gegenübertritt. Man lernt Sachverhalte zu hinterfragen und sich selbst eine Meinung zu bilden, Fähigkeiten, welche in unserer Gesellschaft so wichtig sind wie nie zuvor.

In dem Teilgebiet der Frage nach dem Wissen, liegt der Fokus auf genau drei sehr unterschiedlichen Theorien, dem Empirismus, welcher besagt, dass die Erkenntnis aus der Wahrnehmung und Erfahrung entsteht, dem Rationalismus, welcher den Ursprung der Erkenntnis in dem Verstand sieht. Und dann wäre da noch die Theorie Immanuel Kants, welcher beide Theorien verbindet. Kant ist nebenbei, eine zentrale Figur der Ethik und hat sich zu beinah allen philosophischen Sachverhalten ausführlich geäußert, weshalb er von seinen philosophischen Zeitgenossen auch liebevoll „der Alleszermalmer“ genannt wurde. Ihm wird man zwangsläufig über den Weg laufen, wenn man sich mit Ethik auseinandersetzt.

So hat er sich in seinen Werken „Grundlegung zur Metaphysik der Sitten“ und in der „Kritik der praktischen Vernunft“ mit der Frage beschäftigt, wie ein Mensch handeln soll. Kants kategorischer Imperativ, als Schluss seiner deontologischen Lehre, beantwortet die Frage, wann eine Handlung richtig und wann falsch ist, mit einem Test. Jeder sollte sich fragen, ob man wollen könne, dass das Prinzip, dem die Handlung folgt, als Gesetz für alle gelte. Dadurch können gewisse Handlungen von Grund auf als schlecht ausgeschlossen werden. Beispielsweise ist die Handlung des Mordes per se schlecht, da nur die Handlung betrachtet wird und nicht die Folgen. Tyrannenmord wäre somit genauso verwerflich wie der Mord an einem Kind. Einen anderen Ansatz versuchen hier die Utilitaristen, diese beurteilen eine Handlung nur nach deren Folgen. Trägt eine Handlung zur Maximierung der Freude aller bei, so ist sie „gut“, tut sie es nicht, oder verringert sogar die Summe der Freuden aller, so ist sie als „schlecht“ zu beurteilen. Der Tyrannenmord, wäre also hier nicht per se „schlecht“, da die Folgen abgewogen werden müssen. Somit würden die Freuden der Bevölkerung womöglich gegenüber den Leiden des Tyrannen überwiegen, womit diese Handlung „gut“ wäre. Solche Problemstellungen finden wir aber nicht nur im Unterricht, denn die Frage nach dem richtig oder falsch beschäftigt tagtäglich die Menschen. So muss überlegt werden, ob man Terroristen foltern darf, wenn man dafür einen weiteren Anschlag verhindern könnte, oder wie sich in Zukunft selbstfahrende Autos im Falle eines Unfalls verhalten sollen. Den Fahrer retten und dafür in die Menschenmenge fahren? Oder gegen den Baum und den Tot des Fahrers in Kauf nehmen?

Unter der Leitfrage „Was ist der Mensch?“ beschäftigt man sich mit der grundlegenden Frage was uns besonders macht, oder ob wir uns wirklich von anderen Tieren abheben. Im Fokus steht hier unter anderem der Wille beziehungsweise die Frage ob wir denn überhaupt einen freien Willen besitzen. Dieses fundamentale Thema, welches bei genauer Überlegung den Sinn des Lebens anzweifeln lässt zeigt bei näherer Betrachtung, dass der Mensch etwas ist, dass sich durch seinen bewussten Willen bestimmt. Anders wären die oft hitzigen Diskussionen zu diesem Thema nicht zu erklären. Ist mein bewusstes Ich überhaupt die Instanz, welche Entscheidungen trifft? Wenn nein, hat mein Leben überhaupt einen Sinn? Glaubt man der Wissenschaft, so existiert der freie Willen nicht, da alle Entscheidungen bereits getroffen wurden, ehe man sich dessen bewusst ist. Und selbst wenn der Wille frei ist, sind es wir automatisch auch? Oder sind wir nicht alle gefangen in Systemen und Strukturen, welche wir nicht überwinden können? Diese Themen mögen vielleicht nicht den größten Nutzen in der Praxis haben, sie berühren aber die Grundlage der menschlichen Existenz. Jemand der sich diesen Fragen verschließt ist vergleichbar mit einem Schauspieler, der sich angewidert von seinem Spiegelbild abwendet.

Diese Debattierfähigkeit vieler Fragestellungen der Ethik macht es notwendig diese im Diskurs mit der Klasse zu bearbeiten. So ist der Unterricht nicht primär auf das stupide Auswendiglernen von Fakten orientiert, sondern setzt seinen Fokus auf Debatten und der Interaktion mit den Mitschülern. Es geht nicht darum, vorhandenes, richtiges Wissen wiederzugeben, sondern darum, einen eigenen, begründeten Standpunkt zu entwickeln und diesen engagiert zu verteidigen. In der Ethik hat weder Tafelwerk, Duden, Lehrbuch oder Lehrer die höchste Autorität. Diese ist dem besseren Argument vorbehalten.

Wie bereits beschrieben, ist das Fach Ethik sehr umfangreich und bietet sogar Wissen fürs Leben. Aber nicht nur, dass, längst gibt es Ethikkommissionen in Krankenhäuser und Unternehmen, welche Antworten auf Fragen wie; „Wer bekommt das Transplantat? Wer nicht?“ finden. Es dient also nicht nur als Grundlage fundierter Gespräche, sondern wird auch in der Wirtschaft immer mehr gebraucht, insbesondere vor dem Hintergrund unserer derzeitigen Situation. Eine Welt, welche scheinbar in Krieg und Katastrophen versinkt, braucht eine junge, gebildete Generation, welche weiß, was wichtig und richtig ist, welche fundierte Argumente von Desinformation und Propaganda unterscheiden kann. Eine Meinung zu haben, Dinge zu hinterfragen und nicht einfach hinzunehmen, eigene Moral- und Wertevorstellungen zu entwickeln, das ist es, was zählt. Der Ethikunterricht bietet dafür die Grundlage und hilft selbstbestimmte und selbstdenkende Menschen zu bilden, die den Mut haben, ihren eigenen Verstand einzusetzen.

von Michelle Linke & Thoralf Merkel



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