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Armenisches Tagebuch Teil 3

04.06.2019 / Aktuelles


von Axel Wieczorek



Vorbemerkung


Es stand wieder eine (meine 3.) Reise nach Armenien an. Diesmal hat sie das Ziel, eine potentielle Partnerschule zu besuchen und vor Ort die anstehende Partnerschaft endlich in trockene Tücher zu bringen.


Die Reise dauert vom 11. bis 15. März 2019. Unsere Reisegruppe bestand diesmal aus je einer Kollegin und je einem Kollegen der Gymnasien aus Naumburg und Hohenmölsen und natürlich aus meiner Kollegin Katja Wendt, die sich schon bei unserem ersten Besuch für das wunderschöne Armenien begeistern konnte und die zukünftige Partnerschaft als verantwortliche Kollegin organisieren wird.


Erlebnisse und Eindrücke stehen nun im folgenden Text:


11. März 2019, Abfahrt, Abflug, Flug, Ankunft, 1. Abend


Auch diesmal geht es für mich viel zu zeitig los. 4.45 Uhr klingelt der Wecker, den ich wie gewöhnlich nicht benötige, denn ich bin wie immer viel zu aufgeregt, um vernünftig schlafen zu können. 5.30 Uhr sitze ich im Auto und düse gen Berlin wo ich 7.34 Uhr ankomme und klarer Sieger (und das ist immer noch wichtig für einen Sportler im Ruhestand) vor meiner Kollegin bin, die obwohl schon Sonntagabend angereist deutlich (7 Minuten) nach mir ankommt. Da ich die Kolleginnen und Kollegen aus den beiden Schulen noch nicht kannte und Frau Wendt auch nicht so genau wusste wann sie ankommen, haben wir uns dann schon mal in die doch etwas längere Eincheckschlange nach Moskau angestellt.


Eingecheckt, unsere Kollegen erkannt und begrüßt, war der nächste Weg natürlich der in den Duty Free, wo es zu meiner großen Freude auch einen Laphroaig im Special Offer gab. Sehr schön, läuft bei mir. Und es läuft noch besser. Im Buchladen, das obligatorische Buch für alle Flüge, gibt es tatsächlich ein neues Buch von (Achtung kleiner Werbeblock) Jörg Maurer, einem begnadeten bayrischen Schriftsteller der eine ganze Serie von Alpenkrimis (immer rund um Garmisch-Partenkirchen) geschrieben hat. Diesmal lautet der Titel “Im Schnee wird nur dem Tod nicht kalt“. Ich werde viel Freude an diesem Kriminalfall haben, der in gewohnter Weise vom Kommissar (Jennerwein) gelöst wird. (Werbeblock Ende)


Dann geht`s in die Wartehalle, wo unsere Mitreisenden schon ziemlich zahlreich erschienen sind. Irgendwie haut mit dem Flugzeug was nicht hin, wir kommen nicht rein und irgendwann doch. Aber, wenn man einen Sitzplatz im hinteren Bereich des Flugzeuges hat, dauert es gewöhnlich auch etwas, bis man ihn erreicht hat. So auch diesmal. Ich erreichte meinen Platz als das Flugzeug schon fuhr. Bis ich saß kam schon mal die schwer gehustete Ansage des Kapitäns, dessen Sprache ich aber nicht erraten habe. Englisch? Russisch? Deutsch? Ich weiß es echt nicht. Also wird es wohl auch nicht zu wichtig gewesen sein…


Mein exklusiver Platz nah an der Toilette hatte für mich den Vorteil, dass ich am Ende des Fluges fast alle Passagiere persönlich kannte. Wie das eben so ist, wenn man wartend rumsteht, lächelt man die Wartenden auch mal ermutigend an, auch wenn ihnen bereits Schweißperlen auf der Stirn standen, weil die Schlange nicht kürzer wurde und aufgrund des geringeren Umgebungsdrucks der Blasendruck entsprechend steigt…


Die Versorgung im Flugzeug Boing 737-700 der Aeroflot war auch wieder in bekannter Qualität. Es gab Gummibrötchen und ein Fruchtband (getrocknetes in papierähnlicher Ummantelung Fruchtmus, oder so ähnlich). Egal. Hab`s gegessen und überlebt!


Neben mir, auch wie schon fast immer, ein russischer Schläfer, der kaum gestartet schlief und dann in Moskau aufwachte, was sicher auch an der russisch-radikalen Landung lag, denn die war mal echt ordentlich. Ich hatte das Gefühl, die letzten 3-4 Meter hatte der Pilot keine Lust mehr und hat einfach das Ding fallenlassen. Auch egal. Überlebt!


2 Stunden Aufenthalt in Moskau, die wie immer genutzt wurden, um ein bisschen rum zu schnarchen und die kyrillische Schrift zu üben und festzustellen, wieviel verfügbares Wissen der russischen Sprache noch existiert. Es ist doch allerhand. Vielen Dank an meine Russischlehrerinnen in den Schulen, die mich früher freundlicherweise aufnahmen.


Zum Mittag habe ich mir doch glatt einen griechischen Salat in Moskau gegönnt. Das ist echt Leben am Limit…


Dann ging es weiter. Moskau – Jerewan. Ein sehr enges Flugzeug (Airbus 320) war diesmal unser Transporteur. Und ich Glückspilz hatte wieder einen Mittelplatz, zwischen 2 breiten Typen (oder bin ich zu breit?), von denen der eine schon vor der Abfahrt in einen komaähnlichen Schlaf fiel und somit den ersten Spannungspunkt verpasst hat. Unser Kapitän war nämlich der Meinung noch kurz vor einem landenden Flugzeug seine Landebahn zu queren. Ich glaube wir hatten dann Reifenspuren auf unserem Dach… Naja, überlebt!


Im Übrigen sei hier erwähnt, dass die Baustelle, die vor 2 Jahren noch im Anfangsstadium war, fertig ist und eine neue bereits begonnen wurde. Die arbeiten hier fast so schnell wie die weltberühmten Ingenieure am BER.


Der Hinweis, die Handys in den Flugmodus zu schalten, wurde natürlich sofort umgesetzt. Leider nicht von allen. Eine Reihe vor mir saßen 3 junge Russinnen, denen das gleich mal gänzlich egal war. Sie ließen alles an. Naja, überlebt! Wie gesagt, Leben am Limit…


Und so flogen wir Jerewan und einem fantastischen Sonnenuntergang entgegen. Der Schläfer neben mir, machte einen völlig harmlosen Eindruck, was dem doch häufig negativ besetzten Wort nicht gerecht wird. Zum Glück! Aber nicht nur oben erwähnte junge Russinnen haben den Flugmodus ihrer Handys nicht gefunden, ich stelle fest, dass diese Regel generell sehr großzügig bei meinen Mitfliegern gehandhabt wird.


Dennoch, allmählich näherten wir uns Jerewan, was auch für mich Erleichterung bedeuten sollte, denn nach dem langen Sitzen meldete sich mein im Skikurs geprellter Steiß doch recht heftig. Somit konnte ich der Landung freudvoll entgegensehen, also wenn man noch was gesehen hätte. Draußen war es nämlich schon dunkel und 19.23 Uhr Ortszeit war touch down in Jerewan.


Ein paar Verwirrungen entstanden dann bei der Abholung am Flughafen, weil wir nicht so genau wussten, wurden wir abgeholt, sollen wir uns selbst kümmern, oder was ist eigentlich los. Ein paar Telefonate hin und her und schon stand ein vom Hotel geschickter Kleintransporter bereit und brachte uns ins Hotel. Dort erwartete uns unsere Sachsen-Anhaltinische Auslandslehrkraft Holger Schmidt, der uns mit einem Programm für die nächsten Tage ausstattete, einen Geheimtipp zum Abendessen weitergab und uns dort hinführte. Erwartungsgemäß herausragendes Abendessen konnten wir aus der Karte bestellen, gemütlich zusammensitzen und erzählen und so den Tag ausklingen lassen. Natürlich nicht, ohne den zwingend erforderlichen Kognak am Ende des Abends an unserer Hotelbar zu genießen. Dieser Ararat (Achtung Werbung) ist sehr zu empfehlen. Gegen 24.00 Uhr sanken wir alle in unsere Betten.


 


12. März 2019, Kennenlernen der Schule und vieles mehr


Ein gemütliches Frühstück, wo ich tapfer nur Kaffee trinke (Stichwort Intervallfasten), eröffnete einen außergewöhnlichen Tag.


9.30 Uhr wurden unsere Gruppen entsprechend der Partnerschulen aufgeteilt. Für uns hieß das, dass uns unsere Deutschkollegin vor Ort, Kerstin Fischer, vom Hotel mit einem Taxi abholte und wir zur Heratsi Oberschule fuhren.


Was uns dort erwartete, lässt sich kaum in Worte fassen. An der Tür wurden wir mit Brot und Salz von der Schulleiterin Narine Sargsyan begrüßt. Im Foyer erwarteten uns dann Schülerinnen und Schüler der Schule, die zunächst mit einem traditionellen Tanz und dann mit einem Liedervortrag, in Deutsch(!) Nenas „99 Luftballons“, vortanzten und sangen. Ich kann nur sagen, Gänsehaut pur. Schon hier war eine unglaubliche Herzlichkeit zu spüren, die dann einen weiteren Höhepunkt im Büro der Schulleiterin erfuhr, als wir mit armenischen Köstlichkeiten verwöhnt wurden. (Zum Glück hatte ich nicht gefrühstückt.) Unglaublich, was da für uns alles aufgetischt wurde.


Kurzes Kennenlernen, freundliche Blicke, Sympathie spürbar!


Dann ging es durch die Schule. Wir begannen mit dem Deutschunterricht, wo junge Menschen gerade mal ein halbes Jahr unsere Muttersprache lernen und schon beachtliche Erfolge vorzuweisen haben. Fragen und Antworten mit Frau Wendt und mir im Dialog waren für die jungen Armenierinnen und Armenier kein Problem. Herausragende Arbeit von Kerstin Fischer und den beiden armenischen Deutschlehrerinnen Lusine Soghomonyan und Lusine Sargsyan!


Danach führte unser Weg in den Armenischunterricht. Dort saß eine Klasse, die den Worten der Kollegin aufmerksam folgten und, für uns völlig überraschend, weil wir nix verstanden, plötzlich aufstanden, sich zu uns umdrehten (wir standen hinten) und ein, möglicherweise DAS, armenische Nationalgedicht für uns vortrugen. Alle gleichzeitig im Chor! Ein unglaublich schwermütiges Gedicht, welches vom Leben und Leiden des armenischen Volkes berichtet, wie uns später gesagt wurde. Schon wieder ein absoluter Gänsehautmoment.


Als nächstes besuchten wir den Chemie- und Biologieunterricht. Kleine Lerngruppen, 2 Lehrerinnen pro Klasse, gute technische Ausstattung, gut renovierte Klassenräume wurden uns dort gezeigt. Darüber hinaus zeigten sich die Schülerinnen und Schüler sehr interessiert, diszipliniert und wissend.


Trotzdem, wenn man durch die Schule läuft, zeigten sich doch auch sehr teilweise witzige Produkte einer Mangelwirtschaft. Es gab keine Tür, die so breit wie die andere war. Es wurde also immer der Rahmen so angepasst, dass die Tür, die gerade verfügbar war, hineinpasste. Manchmal war es sogar etwas zu schmal, so dass ich fast quer durchgehen musste. Aber auch hier wird in naher Zukunft Abhilfe geschaffen. Das gesamte Gebäude wird abgerissen und an dieser Stelle neu errichtet. Das soll in den nächsten 2 Jahren geschehen.


Und ein weiteres sehr bemerkenswertes Detail wurde uns erzählt. Die Schüler der Schule sammeln Geld, welches sie dann für Schülerinnen und Schüler in den grenznahen Bereichen des Landes zur Verfügung stellen, da dort die Armut und Not größer ist als in der Hauptstadt. Eine wirklich herausragend gelebte Solidarität.


Der Rundgang endete wieder im Büro der Schulleiterin, wo die fleißigen Hände der Mitarbeiterinnen schon für den Mittagstisch gedeckt haben. Und wieder gab es ganz leckere armenische Spezialitäten, die ausgezeichnet schmeckten und so wie wir erfuhren, auch höchst selten zubereitet werden. Wir wurden wirklich verwöhnt. In dem parallel laufenden Gespräch versprachen wir uns, alles zu tun, um unsere Partnerschaft mit Leben zu füllen.


Gut gesättigt und mit einem ausgezeichneten Gefühl ausgestattet fuhren wir ca. 2 Stunden verspätet zum nächsten Programmpunkt, dem Genozidmuseum des Landes. Leider hat es mit unserer deutschsprachigen Führung nicht geklappt. Unsere Zeit war leider auch schon sehr knapp (das Museum schloss), so dass wir nur eine halbe Stunde die Gelegenheit hatten, die Bilder dieses grausamen Teils armenischer Geschichte aufnehmen zu können. Unfassbares Leid brachte das damalige osmanische Reich über die Armenier, die 1916 noch weite Teile der jetzigen Türkei besiedelten.


Mit einem Taxi ging es zum Hotel, wo wir individuelle Freizeit zum shoppen nutzen konnten. Da ich vorhatte, einige Freunde mit einer Flasche Ararat zu beschenken, zog es mich in einen Supermarkt. Dort gab es eine große Auswahl an unterschiedlich gereiften Kognaks. Und da ich dann immer in so eine Art Kaufrausch verfalle, habe ich gleich mal 8 Flaschen gekauft. Mal sehen, wie ich die in meinem Koffer platziere, ohne dass sie kaputt gehen und ohne das zulässige Gewicht zu überschreiten. Das wird eine Herausforderung!


18.30 Uhr stand laut Programm ein Abendessen an, an dem beide Schulleiterinnen der Partnerschulen, die Deutschlehrer armenischer und deutscher Herkunft und natürlich unsere gesamte Delegation teilnahmen. Und wieder, wir wurden auf das beste von armenischen kulinarischen Höhepunkten verwöhnt. Sehr gesund, gegrilltes Fleisch, Lavash und frisches Gemüse schmeichelten unserem Gaumen. Gemütliche Gespräche, gemeinsamer traditioneller Tanz, an dem die Frauen unserer Delegation große Freude hatten, rundeten diesen eindrucksvollen Tag ab.


Im Hotel gab es dann den obligatorischen Abschlusstrunk (Kognak) und müde und voller Impressionen ging es dann in`s Bett.


Ein kleiner Nachtrag zu diesem Tag: es war wieder beeindruckend, was in Jerewan als Taxi fahren darf. Autos, die bei uns in Deutschland nicht mehr für Stuntshows genutzt werden würden, brachten uns sicher von A nach B. Abenteuer pur.


 


13. März 2019, Bildungsministerium, Mittagessenabenteuer, grandioses Abendessen


Natürlich beginnt der Tag wieder mit dem Frühstück (wie gesagt, für mich Kaffee – dafür literweise) im Hotel. Im Anschluss waren für die Gruppen wieder individuelle Programme vorgesehen.


 Für uns hieß es Empfang im Bildungsministerium. Der Weg war uns schon bekannt, so dass wir uns zu Fuß dorthin begaben und dort unsere Partner Narine (Schulleiterin) und Lusine (armenische Deutschlehrerin) trafen. Im Ministerium wurden wir von einer Abordnung des Ministers empfangen, die ausschließlich aus Frauen bestand. In Deutschland kaum vorstellbar. Im Übrigen wurde nach der Regierungsumbildung vor wenigen Tagen auch das komplette Ministerbüro ausgetauscht. Wir kannten also niemanden aus den Vorjahren. Freundlicher und diplomatischer Gedankenaustausch stand nun auf dem Plan. Dabei wurde festgehalten, dass das Ministerium ausdrücklich eine Partnerschaft unserer Schulen begrüßt und nach Kräften unterstützt. Diese Aussagen konnte ich für unsere Schule auch treffen, haben wir doch im Bildungsministerium eine ausgezeichnete Unterstützung und Hilfe für die Anliegen der Schulpartnerschaften. Vielen Dank an dieser Stelle an Uwe Birkholz, seinen Mitstreitern und der Arbeitsgruppe Armenien im Ministerium.


 Der deutsche Kognak, den wir als Geschenk in`s Ministerium mitnahmen, fand eher verwunderte Beachtung. (Naja, wen wundert`s. Ist ja quasi Eulen nach Athen tragen.)


Die anschließende Freizeit nutzten wir wiedermal um Karten zu besorgen, zu beschreiben und letztlich direkt im Postamt (weil es die nur da gibt) Briefmarken zu besorgen und die Karten auch sofort mit einem riesengroßen Stempel versehen abzuschicken. Herrlich, wie früher…


Kurzer Rückweg zum Hotel. Dort erwartete uns ein Mann vor dem Hotel liegend, der einen Zettel auf der Brust platziert hatte und gegen irgendwas protestierte. Leider haben wir nicht herausgefunden wogegen. Er nahm es aber ernst, denn er lag bis zum Abend da rum.


Mittagessen. Aufgrund der Kürze der Zeit dachten wir, wir essen nen flotten Burger. Und das kann man auch in Jerewan beim Burger King machen. Dachten wir. Also rein, kurz auf der Karte gewählt und ab zur Bestellung. Am Counter freundliche Blicke, die uns genau so freundlich klar machten, heute sind die Burger leider aus. Das heißt, der Burger King war dann mehr ein Burger Peasant. Kein Fleisch, kein Burger. Also versuchten wir unser Glück im nächsten Laden. Goody`s Burger. Als wir dort zunächst nachfragten, ob es überhaupt Burger gibt, wurden wir doch recht entgeistert und verwundert angesehen. Naja, wir fragen ja nicht zum Vergnügen… Wir aßen Menü, dass aber leider, und das tatsächlich zum ersten Mal in Armenien, nicht wirklich lecker war.


Die Zeit rennt und unser nächster Programmpunkt war der Besuch des Matenadaran, also des armenischen Handschriftenmuseums. Eigentlich sollten wir uns dort wieder als Delegation zusammen finden, leider wurden unsere Mitstreiter aus den beiden anderen Schulen unerwartet lange aufgehalten. Unsere Wartezeit wurde durch eine Gruppe kleiner Kinder verkürzt, die uns doch für armenische Verhältnisse große und sehr hellhäutige Menschen bewundernd betrachteten. Und tatsächlich, sie wollten ein Foto mit uns machen. Ein wirklich schöner Moment, diese strahlenden dunklen Augen zu sehen.


Nachdem wir dort schon im vergangenen Jahr zu Gast waren und unsere Kolleginnen und Kollegen leider nicht rechtzeitig zu uns stoßen konnten, beschränkten wir uns darauf, im Eilzugtempo (falls noch jemand einen Eilzug kennt) durch die Hallen zu laufen.


Somit gewannen wir Zeit für eine etwas individuellere Stadtführung, durchgeführt von Kerstin und Lusine. So konnten wir die Kaskaden von innen betrachten, wo zum Teil auch sehr eigenwillige Kunst ausgestellt wurde.


Während der gesamten Zeit des Aufenthalts fielen uns schon mehrfach junge Frauen mit Nasenverband (im Sinne von nach einer Prügelei gerichtete Nase) auf. Etwas verwundert darüber und schon spekulierend, ob die jungen Frauen besonders aggressiv miteinander umgehen, wurden wir dann über die wahre Ursache aufgeklärt. Es handelt sich hierbei um das Richten der Nasenscheidewand im ganz großen Stil. Also zwinker, zwinker, hier werden Nasen verkleinert oder zumindest korrigiert.


Dann gab`s Kaffee für uns und dank der armenischen Kollegin, bekamen wir auch traditionell hergestellten und ausgezeichnet schmeckenden Kaffee. Dann ab in `s Hotel und für eine halbe Stunde kurz die Füße hochlegen, denn 16.30 Uhr war anstelle der Besichtigung der Kognakfabrik, die gerade renoviert wurde – leider, eine Weinverkostung angesetzt. Aber diese war auch sehr schön. Eine Schülerin von Holger beriet uns in perfektem Deutsch über Herkunft und Geschmack der 6 Sorten, die wir probieren durften. Highlight war natürlich ein Wein namens „Axel“. Aber auch die anderen schmeckten ganz gut. Fachkundige Bewertung gab es von unseren Kollegen aus Naumburg, die natürlich aufgrund ihrer Herkunft einen ganz anderen Zugang zum Wein haben, als beispielsweise ich. Zur Weinverkostung war auch wieder der neue Fachschaftsberater in Armenien Benjamin Speth mit am Start, der sein Amt im vergangenen Sommer angetreten hat. Auch er wird uns bei unseren Bemühungen für die Partnerschaft tatkräftig unterstützen.


Viel Zeit zum Verweilen blieb uns jedoch nicht. Am Abend stand ein gemeinsames Abendessen mit Narine, ihrem Mann Gagik, einer Kollegin aus dem Ministerium, Kerstin, Benjamin, Frau Wendt und mir an. Wir wurden in die Taverne Jerewan eingeladen. Dort entpuppte sich Gagik als ein ehemaliger Regierungsmitarbeiter mit ganz viel Herz und Charme, Aufmerksamkeit und Strahlen. Wir wurden auf das Beste von der Küche verwöhnt, bekamen weitere Einblicke in die armenische Welt und wurden im Laufe des Abends Freunde, so dass wir uns immer noch regelmäßig über Whatsapp austauschen. Fantastisch!


Zu Fuß ging es für uns zurück zum Hotel. Inzwischen kennen wir ja Jerewan wie unsere Westentasche. Und so ein Spaziergang nach so viel Essen tat uns auch ganz gut.


Absacker an der Hotelbar und gute Nacht!


 


14. März 2019, Ausflug


 


Nach dem Frühstück ging es auf zum Ausflug, auf den wir uns sehr freuten und der von Lusine, unserer Deutschlehrerin, geleitet wurde. Lusines Anrede am Morgen war auch sehr schön: Frau Katja und Herr Axel wurden wir genannt und fanden es recht niedlich. Irgendwann konnten wir ihr erklären, dass Sie Frau und Herr weglassen kann. Allerdings fiel es ihr aufgrund ihrer Höflichkeit bis zum letzten Tag schwer, einfach unsere Vornamen zu gebrauchen.


Also, auf geht`s. Kurzer Stopp an der 60. Schule, wo Frau Iskandaryan, Schulleiterin, und Anahit, Deutschlehrerein an der 60. zu uns stiegen und Gelegenheit für mich ganz schnell Gaya, Holgers Frau, die ich nun auch schon seit 4 Jahren kenne, zu drücken. Und weiter ging es zur Etchmiadzin Kathedrale, dem Petersdom der armenisch-orthodoxen Christen. Auf dem Weg dorthin berichtete uns Lusine in Kurzform von Höhepunkten aus der Geschichte des Landes, wobei wir dabei erfuhren, dass es sich letztlich eigentlich um die Geschichte Westarmeniens handelt. 1921 erhielt Armenien erstmals seine Unabhängigkeit, die allerdings nur bis 1923 andauerte, bis das Land Teil der UdSSR wurde. Diese Zwangsverbindung wurde erst 1991 beendet, als Armenien die echte Unabhängigkeit erhielt. Allerdings ist diese auch nicht so gänzlich unbelastet, wie Schwierigkeiten an der russischen Grenze oder in Berg-Karabach zeigen. Ursachen für die Streitigkeiten in dieser Region konnte mir aber niemand nennen. Eigentlich handelt es sich dort um unfruchtbares, wenig schönes Gebiet. Mhm. Etwas mysteriös für uns.


Die Armenier verstehen sich auch als erste Christen dieser Welt, die durch Gregor dem Erleuchter das Christentum als Staatsreligion erstmalig einführten.


Obst gilt als wichtigster Exportschlager und ist somit auch der wesentliche Wirtschaftszweig.


Etchmiadzin, deutsch: der Ort, an dem Christus herabgestiegen ist, ist das religiöse Zentrum, gebaut zwischen 303 und 305 und ist der Wohnort des Katholikus (Papstes).


Im Übrigen dürfen umstehende Häuser nicht höher als die Kirchenspitze sein.


Als wir wieder rauskamen, stand eine BMW Motorrad Polizei Eskorte extra für uns bereit, um uns ca 400m weiter zum Ort unseres Mittagessens zu bringen. Dachte ich jedenfalls und fand es eine nette, wenngleich etwas übertrieben Geste. Naja, sie galt doch nicht uns. Der georgische Präsident besuchte auch gerade die Kathedrale und für ihn war wohl auch die Eskorte. Trotzdem übertrieben .-)


Der Tempel der kleinen Gayane mit Palmwedel war ein kleiner Stopp, bevor es zum Essen ging.


Auf dem Weg zum Mittagessen erfuhren wir dann, dass der eigentliche Urarmenier blond und blauäugig ist, noch am Sewansee lebt und sein Dialekt dort, dem der bayrischen Ureinwohner ähnelt. Naja, wahrscheinlich liegt diese Annahme darin begründet, dass beide, Urarmenier und Urbayern von niemandem verstanden werden. Andererseits, mich als Urarmenier zu betrachten ist auch eine sympathische Vorstellung.


Vor dem Essen mussten wir uns noch ein Museum ansehen, das wirklich nicht schön war, zumal ich mich allmählich dem elendigen Hungertod näherte. Irgendwelches altes Zeug wurde dort gesammelt und ausgestellt. Eine Teppichknüpferin, die angeblich nicht reden kann, begrüßte uns mit einem freundlichen `Hallo` und wir fühlten uns ein wenig veralbert. Es war sogar so bedenklich, dass selbst Kollegin Wendt, die nun definitiv interessierter und gebildeter in diesen Bereichen ist als ich, genervt fragte: „Und wann geht das jetzt endlich weiter?“. Für mich ein deutliches Zeichen, dass ich diesmal nicht falsch lag.


Das Essen dauerte noch ein ganzes Weilchen, war aber dafür dann wirklich sehr schmackhaft. Frau Wendt fand zwischen ihrem Kuchen eine extra dort versteckte Münze, die ihr nun fortan ewiges Glück garantieren wird. Viel Glück, also!


Die lange Autofahrt zurück nach Jerewan und weiter nach Garni brachte weitere Eindrücke von der Schönheit des Landes, schließlich ging es in den Kaukasus. Unterwegs konnte ich eine extrem spannende Beladung eines Autos beobachten. Ein handelsüblicher Lada aus den 80ern wurde auf dem Dach mit einer Couch beladen, so dass das Ladestück länger und breiter war als das Auto selbst. Mr Bean lässt grüßen…


In Garni wurde selbstverständlich der Tempel besucht, ein obligatorisches Foto mit dem Carl Zeiss Jena Schal gemacht, die atemberaubende Landschaft bestaunt, das altrömische Hallenbad, was uns vergangenes Jahr nicht auffiel, betrachtet und weitergefahren zu einem Höhlenkloster, welches auch im vergangenen Jahr noch nicht besucht wurde. Aufgrund der angegebenen herausragenden Akustik versuchten unser Kolleginnen und Kollegen einen Gesang, der jetzt wirklich angemessen getragen war, anzustimmen, woraufhin in kürzester Zeit ein Mönch auftauchte und diesem Gebaren eine Ende bereitete. Er war not amused. Wir etwas beschämt und ich heilfroh, dass ich nicht gesungen habe. Mich hätten sie vermutlich in Handschellen abgeführt. (Nicht weil ich so schlimm wirke, sondern weil mein Gesang kriminell wirken könnte.)


Nachdem es uns gelang, freundlich guckend auch die Straßenhändler zu besänftigen, fuhren wir zurück zum Hotel und bereiteten uns schon auf den letzten Abend in Jerewan vor.


Dieser wurde dann in der Gaststätte vom Montag bestritten. Zu unserer aller Freude konnten wir Narine und Gagik, Gaya und Holger als unsere Gäste begrüßen. Es war ein wunderschöner Abend, der gekrönt wurde von einem Maulbeerwodka, der im Eichenfass gereift ist. Voller Vorfreude auf den anstehenden Austausch und voller Wehmut über unsere bevorstehende Abreise verabschiedeten wir uns letztlich schweren Herzens voneinander.


Schlummertrunk in der Lobby.


 


15. März 2019, Rückreise


Achtung! 4.20 Uhr, das ist 1.20 Uhr MEZ klingelte der Wecker. Völlig verwirrt irrte ich unter die Dusche und versuchte meine Gedanken und meine Ordnung herzustellen.


Koffer geschnappt und alles zusammen geräumt, in den Rucksack und so weiter, kam ich in die Lobby, wo die Kollegen bereits warteten. Kurz den Koffer gewogen (23,2Kg) und festgestellt, verdammt, er ist zu schwer. Zum Glück bot mir der Hohenmölsener Kollege Raum in seinem an, so dass ich dann beim finalen Wiegen am Airport die Marke von 23 kg nicht überbot. Nun musste ich nur dran denken, dass ich die Flasche in Berlin nicht vergesse. (Hat geklappt.)


Das Taxi zum Flughafen war beinahe etwas knapp für uns 6 Personen mit Gepäck, hatte dafür aber eine gut regelbare Zweistufenheizung. An und Aus. Also war die Vorgabe schwitzen oder frieren. Wir entschieden uns für Wechselbäder.


Der Rückflug startete wieder in einer Boing 737-700 gen Moskau. Die üblichen Witze über die wackelnden Flügel spare ich mir an dieser Stelle.


Diesmal wurde ich neben dem Kollegen aus Hohenmölsen eingecheckt, der aber glücklicherweise eine Reihe weiter hinter konnte, weil dort noch 2 Plätze frei waren. Somit hatten wir beide unerwarteten komfortablen Platz. Ich habe erstmal 1 Stunde geschlafen, zur Erinnerung 1.40 Uhr MEZ aufgestanden, und bin mit Genickstarre und interessanter Stirnzeichnung aufgewacht. Leider saß ich wieder am Gang und wurde bei jeder Gelegenheit angestoßen von den Toilettenpilgerern. Dabei bin ich doch garnicht so breit im Sinne von breit in der Breite, eher breit im Sinne von breit nach vorne. Auch das Gurtanschnallzeichen, welches aufgrund doch ordentlicher Turbulenzen aufleuchtete, ließen den Strom zur Toilette nicht abschwellen. Soweit zum Thema Anschnallen.


Zum Essen gab es überraschenderweise keine Gummibrötchensondern, dafür belegte Brote, Trinkjoghurt und eine kleine Aljonkaschokolade. Leider gab es auch keinen Kaffee, weil die Maschine kaputt war, wenn ich das richtig verstanden habe. Also trank ich Saft (nicht Tomate, sondern Orange) der aber aufgrund des freundlichen Lächelns der Stewardess trotzdem gut war. Vor mir saßen 3 Männer, denen es wahrscheinlich nicht vergönnt war am Morgen zu duschen. Ein anheimelnder Duft nach Ziegenleder umschmeichelte meine Nase, der jedesmal verstärkt wurde, wenn jemand zur Toilette ging und den Sog nutzte der Duft, mich zu verwöhnen. Und wie gesagt, es mussten viele. Schließlich war ja inzwischen auch Zeit für das „Guten Morgen AA“.


Der Landeanflug auf Scheremetjewo glich dann eher einem Sturzflug, der auch eine der Stewardessen in die Verzweiflung trieb, weil nicht alle Tische rechtzeitig und ordentlich hochgeklappt waren. Aber nicht nur die Stewardess war nervös. Auch mein Übersitznachbar war sichtbar aufgeregt. Erst zappelte ein Bein, dann zwei und schließlich hat der ganze Kerl gezappelt wie ein Hüpffrosch. Naja, wir kamen trotzdem unten an. Nach der doch noch erfolgreichen Landung war mir auch klar, warum der Pilot am Anfang die Sicherheitshinweise zweimal sagte. Entweder kannte er seine Landefähigkeiten oder er hatte auch diesen leckeren Maulbeerwodka zum Abendessen.


Wieder 2 Stunden Aufenthalt in Moskau, die so einfach vorbei gingen.


Im Flugzeug, Airbus 320, nach Berlin saß dann ein Original russischer Bär mit Triple Nacken neben mir, der zur Beruhigung erstmal einen Wackelmann auf ex leerte. Gute Variante zur Beruhigung. Es war ohnehin beeindruckend, welche Art von Fluggästen mit uns reisten. Am auffälligsten war ein junger Mann, der mit offener Trainingsjacke seine tätowierte Brust präsentierte. Ich weiß nicht, ob es erotisiert.


Jedenfalls konnte ich die letzte Sitzreihe, zwar wieder an der Toilette, aber dafür für mich allein, komplett nutzen und zog also dorthin um. Der Start war spannend, da ein erheblicher Seitenwind uns von der Startbahn zu wehen drohte. Zum Glück haben wir vorher abgehoben.


Es gab Gummibrötchen, keine Aljonkaschokolade, seeeehr dünnen Kaffee und eine lustige Überraschung. Denn plötzlich, als das Flugzeug mal kurz ruckelte, sprang eine junge Frau aus der Toilette direkt auf den freien Gangplatz, schnallte sich an und sah mich mit großen angsterfüllten braunen Augen an. Meine natürliche Ausstrahlung von Stärke (hahaha) und Ruhe konnte sie, glaube ich, beruhigen. Jedenfalls nutzte sie die nächste Gelegenheit um zu ihren Platz zurückzukehren und ich konnte in Ruhe lachen.


Eine gehauchte deutsche Ansage kündigte unsere baldige Ankunft in Berlin an. Wir landeten verhältnismäßig ruhig, die Koffer kamen alle mit, wir verabschiedeten uns herzlich voneinander (Kognak zurückbekommen) und traten individuell unsere Heimfahrten an.


Zu Hause angekommen, war nichts wichtiger als schlafen und Regenerieren.


 


Nachtrag:


Wieder war es eine Woche voller Impressionen, vollgestopft mit neuem Wissen, dem Kennenlernen fantastischer, gastfreundlicher Menschen und voller Anstrengung, alles zu bewältigen und zu verarbeiten.


Inzwischen sind die Vorbereitungen für den ersten Besuch der armenischen Delegation in Aschersleben angelaufen. Wir freuen uns riesig auf den Besuch im September!



99 Luftballons

Abendessen mit allen

Abschlussabend

Aeroflotfrühstück

Armenische, seltene Spezialität

Armenischer Sonnengrill

Armenischer Tanz zur Begrüßung

Armenischunterricht

Begrüßung mit dem Saxophon

Begrüßung

Bergkloster

Biologieunterricht

Briefkasten

Deutschunterricht

Ein Abend mit Freunden

Empfangsbrot und Salz

Etchmiadzin

Frühstück bei der Schulleiterin

Glückspilz

Himmel oder Hölle

im Bildungsministerium

Im Museum

Kaskaden

Kaskadenkunst

Kindergruppe vor dem Museum

Kunst

Lavash und gefüllte Weinblätter

Liegender Protest

Mittagessen bei der Schulleiterin

Mütterchen Russland

Polizeieskorte

Reisegruppe

Schüler und Lehrer

Taxi

Tempel der Gayane

Tempel von Garni

Tisch wird gedeckt

Tür zum UNterrichtsraum

Überblick

Ultimatives Foto

Weinverkostung

Weinverkostungsgruppe

Weinverkostungssnack

von Axel Wieczorek



Vorbemerkung


Es stand wieder eine (meine 3.) Reise nach Armenien an. Diesmal hat sie das Ziel, eine potentielle Partnerschule zu besuchen und vor Ort die anstehende Partnerschaft endlich in trockene Tücher zu bringen.


Die Reise dauert vom 11. bis 15. März 2019. Unsere Reisegruppe bestand diesmal aus je einer Kollegin und je einem Kollegen der Gymnasien aus Naumburg und Hohenmölsen und natürlich aus meiner Kollegin Katja Wendt, die sich schon bei unserem ersten Besuch für das wunderschöne Armenien begeistern konnte und die zukünftige Partnerschaft als verantwortliche Kollegin organisieren wird.


Erlebnisse und Eindrücke stehen nun im folgenden Text:


11. März 2019, Abfahrt, Abflug, Flug, Ankunft, 1. Abend


Auch diesmal geht es für mich viel zu zeitig los. 4.45 Uhr klingelt der Wecker, den ich wie gewöhnlich nicht benötige, denn ich bin wie immer viel zu aufgeregt, um vernünftig schlafen zu können. 5.30 Uhr sitze ich im Auto und düse gen Berlin wo ich 7.34 Uhr ankomme und klarer Sieger (und das ist immer noch wichtig für einen Sportler im Ruhestand) vor meiner Kollegin bin, die obwohl schon Sonntagabend angereist deutlich (7 Minuten) nach mir ankommt. Da ich die Kolleginnen und Kollegen aus den beiden Schulen noch nicht kannte und Frau Wendt auch nicht so genau wusste wann sie ankommen, haben wir uns dann schon mal in die doch etwas längere Eincheckschlange nach Moskau angestellt.


Eingecheckt, unsere Kollegen erkannt und begrüßt, war der nächste Weg natürlich der in den Duty Free, wo es zu meiner großen Freude auch einen Laphroaig im Special Offer gab. Sehr schön, läuft bei mir. Und es läuft noch besser. Im Buchladen, das obligatorische Buch für alle Flüge, gibt es tatsächlich ein neues Buch von (Achtung kleiner Werbeblock) Jörg Maurer, einem begnadeten bayrischen Schriftsteller der eine ganze Serie von Alpenkrimis (immer rund um Garmisch-Partenkirchen) geschrieben hat. Diesmal lautet der Titel “Im Schnee wird nur dem Tod nicht kalt“. Ich werde viel Freude an diesem Kriminalfall haben, der in gewohnter Weise vom Kommissar (Jennerwein) gelöst wird. (Werbeblock Ende)


Dann geht`s in die Wartehalle, wo unsere Mitreisenden schon ziemlich zahlreich erschienen sind. Irgendwie haut mit dem Flugzeug was nicht hin, wir kommen nicht rein und irgendwann doch. Aber, wenn man einen Sitzplatz im hinteren Bereich des Flugzeuges hat, dauert es gewöhnlich auch etwas, bis man ihn erreicht hat. So auch diesmal. Ich erreichte meinen Platz als das Flugzeug schon fuhr. Bis ich saß kam schon mal die schwer gehustete Ansage des Kapitäns, dessen Sprache ich aber nicht erraten habe. Englisch? Russisch? Deutsch? Ich weiß es echt nicht. Also wird es wohl auch nicht zu wichtig gewesen sein…


Mein exklusiver Platz nah an der Toilette hatte für mich den Vorteil, dass ich am Ende des Fluges fast alle Passagiere persönlich kannte. Wie das eben so ist, wenn man wartend rumsteht, lächelt man die Wartenden auch mal ermutigend an, auch wenn ihnen bereits Schweißperlen auf der Stirn standen, weil die Schlange nicht kürzer wurde und aufgrund des geringeren Umgebungsdrucks der Blasendruck entsprechend steigt…


Die Versorgung im Flugzeug Boing 737-700 der Aeroflot war auch wieder in bekannter Qualität. Es gab Gummibrötchen und ein Fruchtband (getrocknetes in papierähnlicher Ummantelung Fruchtmus, oder so ähnlich). Egal. Hab`s gegessen und überlebt!


Neben mir, auch wie schon fast immer, ein russischer Schläfer, der kaum gestartet schlief und dann in Moskau aufwachte, was sicher auch an der russisch-radikalen Landung lag, denn die war mal echt ordentlich. Ich hatte das Gefühl, die letzten 3-4 Meter hatte der Pilot keine Lust mehr und hat einfach das Ding fallenlassen. Auch egal. Überlebt!


2 Stunden Aufenthalt in Moskau, die wie immer genutzt wurden, um ein bisschen rum zu schnarchen und die kyrillische Schrift zu üben und festzustellen, wieviel verfügbares Wissen der russischen Sprache noch existiert. Es ist doch allerhand. Vielen Dank an meine Russischlehrerinnen in den Schulen, die mich früher freundlicherweise aufnahmen.


Zum Mittag habe ich mir doch glatt einen griechischen Salat in Moskau gegönnt. Das ist echt Leben am Limit…


Dann ging es weiter. Moskau – Jerewan. Ein sehr enges Flugzeug (Airbus 320) war diesmal unser Transporteur. Und ich Glückspilz hatte wieder einen Mittelplatz, zwischen 2 breiten Typen (oder bin ich zu breit?), von denen der eine schon vor der Abfahrt in einen komaähnlichen Schlaf fiel und somit den ersten Spannungspunkt verpasst hat. Unser Kapitän war nämlich der Meinung noch kurz vor einem landenden Flugzeug seine Landebahn zu queren. Ich glaube wir hatten dann Reifenspuren auf unserem Dach… Naja, überlebt!


Im Übrigen sei hier erwähnt, dass die Baustelle, die vor 2 Jahren noch im Anfangsstadium war, fertig ist und eine neue bereits begonnen wurde. Die arbeiten hier fast so schnell wie die weltberühmten Ingenieure am BER.


Der Hinweis, die Handys in den Flugmodus zu schalten, wurde natürlich sofort umgesetzt. Leider nicht von allen. Eine Reihe vor mir saßen 3 junge Russinnen, denen das gleich mal gänzlich egal war. Sie ließen alles an. Naja, überlebt! Wie gesagt, Leben am Limit…


Und so flogen wir Jerewan und einem fantastischen Sonnenuntergang entgegen. Der Schläfer neben mir, machte einen völlig harmlosen Eindruck, was dem doch häufig negativ besetzten Wort nicht gerecht wird. Zum Glück! Aber nicht nur oben erwähnte junge Russinnen haben den Flugmodus ihrer Handys nicht gefunden, ich stelle fest, dass diese Regel generell sehr großzügig bei meinen Mitfliegern gehandhabt wird.


Dennoch, allmählich näherten wir uns Jerewan, was auch für mich Erleichterung bedeuten sollte, denn nach dem langen Sitzen meldete sich mein im Skikurs geprellter Steiß doch recht heftig. Somit konnte ich der Landung freudvoll entgegensehen, also wenn man noch was gesehen hätte. Draußen war es nämlich schon dunkel und 19.23 Uhr Ortszeit war touch down in Jerewan.


Ein paar Verwirrungen entstanden dann bei der Abholung am Flughafen, weil wir nicht so genau wussten, wurden wir abgeholt, sollen wir uns selbst kümmern, oder was ist eigentlich los. Ein paar Telefonate hin und her und schon stand ein vom Hotel geschickter Kleintransporter bereit und brachte uns ins Hotel. Dort erwartete uns unsere Sachsen-Anhaltinische Auslandslehrkraft Holger Schmidt, der uns mit einem Programm für die nächsten Tage ausstattete, einen Geheimtipp zum Abendessen weitergab und uns dort hinführte. Erwartungsgemäß herausragendes Abendessen konnten wir aus der Karte bestellen, gemütlich zusammensitzen und erzählen und so den Tag ausklingen lassen. Natürlich nicht, ohne den zwingend erforderlichen Kognak am Ende des Abends an unserer Hotelbar zu genießen. Dieser Ararat (Achtung Werbung) ist sehr zu empfehlen. Gegen 24.00 Uhr sanken wir alle in unsere Betten.


 


12. März 2019, Kennenlernen der Schule und vieles mehr


Ein gemütliches Frühstück, wo ich tapfer nur Kaffee trinke (Stichwort Intervallfasten), eröffnete einen außergewöhnlichen Tag.


9.30 Uhr wurden unsere Gruppen entsprechend der Partnerschulen aufgeteilt. Für uns hieß das, dass uns unsere Deutschkollegin vor Ort, Kerstin Fischer, vom Hotel mit einem Taxi abholte und wir zur Heratsi Oberschule fuhren.


Was uns dort erwartete, lässt sich kaum in Worte fassen. An der Tür wurden wir mit Brot und Salz von der Schulleiterin Narine Sargsyan begrüßt. Im Foyer erwarteten uns dann Schülerinnen und Schüler der Schule, die zunächst mit einem traditionellen Tanz und dann mit einem Liedervortrag, in Deutsch(!) Nenas „99 Luftballons“, vortanzten und sangen. Ich kann nur sagen, Gänsehaut pur. Schon hier war eine unglaubliche Herzlichkeit zu spüren, die dann einen weiteren Höhepunkt im Büro der Schulleiterin erfuhr, als wir mit armenischen Köstlichkeiten verwöhnt wurden. (Zum Glück hatte ich nicht gefrühstückt.) Unglaublich, was da für uns alles aufgetischt wurde.


Kurzes Kennenlernen, freundliche Blicke, Sympathie spürbar!


Dann ging es durch die Schule. Wir begannen mit dem Deutschunterricht, wo junge Menschen gerade mal ein halbes Jahr unsere Muttersprache lernen und schon beachtliche Erfolge vorzuweisen haben. Fragen und Antworten mit Frau Wendt und mir im Dialog waren für die jungen Armenierinnen und Armenier kein Problem. Herausragende Arbeit von Kerstin Fischer und den beiden armenischen Deutschlehrerinnen Lusine Soghomonyan und Lusine Sargsyan!


Danach führte unser Weg in den Armenischunterricht. Dort saß eine Klasse, die den Worten der Kollegin aufmerksam folgten und, für uns völlig überraschend, weil wir nix verstanden, plötzlich aufstanden, sich zu uns umdrehten (wir standen hinten) und ein, möglicherweise DAS, armenische Nationalgedicht für uns vortrugen. Alle gleichzeitig im Chor! Ein unglaublich schwermütiges Gedicht, welches vom Leben und Leiden des armenischen Volkes berichtet, wie uns später gesagt wurde. Schon wieder ein absoluter Gänsehautmoment.


Als nächstes besuchten wir den Chemie- und Biologieunterricht. Kleine Lerngruppen, 2 Lehrerinnen pro Klasse, gute technische Ausstattung, gut renovierte Klassenräume wurden uns dort gezeigt. Darüber hinaus zeigten sich die Schülerinnen und Schüler sehr interessiert, diszipliniert und wissend.


Trotzdem, wenn man durch die Schule läuft, zeigten sich doch auch sehr teilweise witzige Produkte einer Mangelwirtschaft. Es gab keine Tür, die so breit wie die andere war. Es wurde also immer der Rahmen so angepasst, dass die Tür, die gerade verfügbar war, hineinpasste. Manchmal war es sogar etwas zu schmal, so dass ich fast quer durchgehen musste. Aber auch hier wird in naher Zukunft Abhilfe geschaffen. Das gesamte Gebäude wird abgerissen und an dieser Stelle neu errichtet. Das soll in den nächsten 2 Jahren geschehen.


Und ein weiteres sehr bemerkenswertes Detail wurde uns erzählt. Die Schüler der Schule sammeln Geld, welches sie dann für Schülerinnen und Schüler in den grenznahen Bereichen des Landes zur Verfügung stellen, da dort die Armut und Not größer ist als in der Hauptstadt. Eine wirklich herausragend gelebte Solidarität.


Der Rundgang endete wieder im Büro der Schulleiterin, wo die fleißigen Hände der Mitarbeiterinnen schon für den Mittagstisch gedeckt haben. Und wieder gab es ganz leckere armenische Spezialitäten, die ausgezeichnet schmeckten und so wie wir erfuhren, auch höchst selten zubereitet werden. Wir wurden wirklich verwöhnt. In dem parallel laufenden Gespräch versprachen wir uns, alles zu tun, um unsere Partnerschaft mit Leben zu füllen.


Gut gesättigt und mit einem ausgezeichneten Gefühl ausgestattet fuhren wir ca. 2 Stunden verspätet zum nächsten Programmpunkt, dem Genozidmuseum des Landes. Leider hat es mit unserer deutschsprachigen Führung nicht geklappt. Unsere Zeit war leider auch schon sehr knapp (das Museum schloss), so dass wir nur eine halbe Stunde die Gelegenheit hatten, die Bilder dieses grausamen Teils armenischer Geschichte aufnehmen zu können. Unfassbares Leid brachte das damalige osmanische Reich über die Armenier, die 1916 noch weite Teile der jetzigen Türkei besiedelten.


Mit einem Taxi ging es zum Hotel, wo wir individuelle Freizeit zum shoppen nutzen konnten. Da ich vorhatte, einige Freunde mit einer Flasche Ararat zu beschenken, zog es mich in einen Supermarkt. Dort gab es eine große Auswahl an unterschiedlich gereiften Kognaks. Und da ich dann immer in so eine Art Kaufrausch verfalle, habe ich gleich mal 8 Flaschen gekauft. Mal sehen, wie ich die in meinem Koffer platziere, ohne dass sie kaputt gehen und ohne das zulässige Gewicht zu überschreiten. Das wird eine Herausforderung!


18.30 Uhr stand laut Programm ein Abendessen an, an dem beide Schulleiterinnen der Partnerschulen, die Deutschlehrer armenischer und deutscher Herkunft und natürlich unsere gesamte Delegation teilnahmen. Und wieder, wir wurden auf das beste von armenischen kulinarischen Höhepunkten verwöhnt. Sehr gesund, gegrilltes Fleisch, Lavash und frisches Gemüse schmeichelten unserem Gaumen. Gemütliche Gespräche, gemeinsamer traditioneller Tanz, an dem die Frauen unserer Delegation große Freude hatten, rundeten diesen eindrucksvollen Tag ab.


Im Hotel gab es dann den obligatorischen Abschlusstrunk (Kognak) und müde und voller Impressionen ging es dann in`s Bett.


Ein kleiner Nachtrag zu diesem Tag: es war wieder beeindruckend, was in Jerewan als Taxi fahren darf. Autos, die bei uns in Deutschland nicht mehr für Stuntshows genutzt werden würden, brachten uns sicher von A nach B. Abenteuer pur.


 


13. März 2019, Bildungsministerium, Mittagessenabenteuer, grandioses Abendessen


Natürlich beginnt der Tag wieder mit dem Frühstück (wie gesagt, für mich Kaffee – dafür literweise) im Hotel. Im Anschluss waren für die Gruppen wieder individuelle Programme vorgesehen.


 Für uns hieß es Empfang im Bildungsministerium. Der Weg war uns schon bekannt, so dass wir uns zu Fuß dorthin begaben und dort unsere Partner Narine (Schulleiterin) und Lusine (armenische Deutschlehrerin) trafen. Im Ministerium wurden wir von einer Abordnung des Ministers empfangen, die ausschließlich aus Frauen bestand. In Deutschland kaum vorstellbar. Im Übrigen wurde nach der Regierungsumbildung vor wenigen Tagen auch das komplette Ministerbüro ausgetauscht. Wir kannten also niemanden aus den Vorjahren. Freundlicher und diplomatischer Gedankenaustausch stand nun auf dem Plan. Dabei wurde festgehalten, dass das Ministerium ausdrücklich eine Partnerschaft unserer Schulen begrüßt und nach Kräften unterstützt. Diese Aussagen konnte ich für unsere Schule auch treffen, haben wir doch im Bildungsministerium eine ausgezeichnete Unterstützung und Hilfe für die Anliegen der Schulpartnerschaften. Vielen Dank an dieser Stelle an Uwe Birkholz, seinen Mitstreitern und der Arbeitsgruppe Armenien im Ministerium.


 Der deutsche Kognak, den wir als Geschenk in`s Ministerium mitnahmen, fand eher verwunderte Beachtung. (Naja, wen wundert`s. Ist ja quasi Eulen nach Athen tragen.)


Die anschließende Freizeit nutzten wir wiedermal um Karten zu besorgen, zu beschreiben und letztlich direkt im Postamt (weil es die nur da gibt) Briefmarken zu besorgen und die Karten auch sofort mit einem riesengroßen Stempel versehen abzuschicken. Herrlich, wie früher…


Kurzer Rückweg zum Hotel. Dort erwartete uns ein Mann vor dem Hotel liegend, der einen Zettel auf der Brust platziert hatte und gegen irgendwas protestierte. Leider haben wir nicht herausgefunden wogegen. Er nahm es aber ernst, denn er lag bis zum Abend da rum.


Mittagessen. Aufgrund der Kürze der Zeit dachten wir, wir essen nen flotten Burger. Und das kann man auch in Jerewan beim Burger King machen. Dachten wir. Also rein, kurz auf der Karte gewählt und ab zur Bestellung. Am Counter freundliche Blicke, die uns genau so freundlich klar machten, heute sind die Burger leider aus. Das heißt, der Burger King war dann mehr ein Burger Peasant. Kein Fleisch, kein Burger. Also versuchten wir unser Glück im nächsten Laden. Goody`s Burger. Als wir dort zunächst nachfragten, ob es überhaupt Burger gibt, wurden wir doch recht entgeistert und verwundert angesehen. Naja, wir fragen ja nicht zum Vergnügen… Wir aßen Menü, dass aber leider, und das tatsächlich zum ersten Mal in Armenien, nicht wirklich lecker war.


Die Zeit rennt und unser nächster Programmpunkt war der Besuch des Matenadaran, also des armenischen Handschriftenmuseums. Eigentlich sollten wir uns dort wieder als Delegation zusammen finden, leider wurden unsere Mitstreiter aus den beiden anderen Schulen unerwartet lange aufgehalten. Unsere Wartezeit wurde durch eine Gruppe kleiner Kinder verkürzt, die uns doch für armenische Verhältnisse große und sehr hellhäutige Menschen bewundernd betrachteten. Und tatsächlich, sie wollten ein Foto mit uns machen. Ein wirklich schöner Moment, diese strahlenden dunklen Augen zu sehen.


Nachdem wir dort schon im vergangenen Jahr zu Gast waren und unsere Kolleginnen und Kollegen leider nicht rechtzeitig zu uns stoßen konnten, beschränkten wir uns darauf, im Eilzugtempo (falls noch jemand einen Eilzug kennt) durch die Hallen zu laufen.


Somit gewannen wir Zeit für eine etwas individuellere Stadtführung, durchgeführt von Kerstin und Lusine. So konnten wir die Kaskaden von innen betrachten, wo zum Teil auch sehr eigenwillige Kunst ausgestellt wurde.


Während der gesamten Zeit des Aufenthalts fielen uns schon mehrfach junge Frauen mit Nasenverband (im Sinne von nach einer Prügelei gerichtete Nase) auf. Etwas verwundert darüber und schon spekulierend, ob die jungen Frauen besonders aggressiv miteinander umgehen, wurden wir dann über die wahre Ursache aufgeklärt. Es handelt sich hierbei um das Richten der Nasenscheidewand im ganz großen Stil. Also zwinker, zwinker, hier werden Nasen verkleinert oder zumindest korrigiert.


Dann gab`s Kaffee für uns und dank der armenischen Kollegin, bekamen wir auch traditionell hergestellten und ausgezeichnet schmeckenden Kaffee. Dann ab in `s Hotel und für eine halbe Stunde kurz die Füße hochlegen, denn 16.30 Uhr war anstelle der Besichtigung der Kognakfabrik, die gerade renoviert wurde – leider, eine Weinverkostung angesetzt. Aber diese war auch sehr schön. Eine Schülerin von Holger beriet uns in perfektem Deutsch über Herkunft und Geschmack der 6 Sorten, die wir probieren durften. Highlight war natürlich ein Wein namens „Axel“. Aber auch die anderen schmeckten ganz gut. Fachkundige Bewertung gab es von unseren Kollegen aus Naumburg, die natürlich aufgrund ihrer Herkunft einen ganz anderen Zugang zum Wein haben, als beispielsweise ich. Zur Weinverkostung war auch wieder der neue Fachschaftsberater in Armenien Benjamin Speth mit am Start, der sein Amt im vergangenen Sommer angetreten hat. Auch er wird uns bei unseren Bemühungen für die Partnerschaft tatkräftig unterstützen.


Viel Zeit zum Verweilen blieb uns jedoch nicht. Am Abend stand ein gemeinsames Abendessen mit Narine, ihrem Mann Gagik, einer Kollegin aus dem Ministerium, Kerstin, Benjamin, Frau Wendt und mir an. Wir wurden in die Taverne Jerewan eingeladen. Dort entpuppte sich Gagik als ein ehemaliger Regierungsmitarbeiter mit ganz viel Herz und Charme, Aufmerksamkeit und Strahlen. Wir wurden auf das Beste von der Küche verwöhnt, bekamen weitere Einblicke in die armenische Welt und wurden im Laufe des Abends Freunde, so dass wir uns immer noch regelmäßig über Whatsapp austauschen. Fantastisch!


Zu Fuß ging es für uns zurück zum Hotel. Inzwischen kennen wir ja Jerewan wie unsere Westentasche. Und so ein Spaziergang nach so viel Essen tat uns auch ganz gut.


Absacker an der Hotelbar und gute Nacht!


 


14. März 2019, Ausflug


 


Nach dem Frühstück ging es auf zum Ausflug, auf den wir uns sehr freuten und der von Lusine, unserer Deutschlehrerin, geleitet wurde. Lusines Anrede am Morgen war auch sehr schön: Frau Katja und Herr Axel wurden wir genannt und fanden es recht niedlich. Irgendwann konnten wir ihr erklären, dass Sie Frau und Herr weglassen kann. Allerdings fiel es ihr aufgrund ihrer Höflichkeit bis zum letzten Tag schwer, einfach unsere Vornamen zu gebrauchen.


Also, auf geht`s. Kurzer Stopp an der 60. Schule, wo Frau Iskandaryan, Schulleiterin, und Anahit, Deutschlehrerein an der 60. zu uns stiegen und Gelegenheit für mich ganz schnell Gaya, Holgers Frau, die ich nun auch schon seit 4 Jahren kenne, zu drücken. Und weiter ging es zur Etchmiadzin Kathedrale, dem Petersdom der armenisch-orthodoxen Christen. Auf dem Weg dorthin berichtete uns Lusine in Kurzform von Höhepunkten aus der Geschichte des Landes, wobei wir dabei erfuhren, dass es sich letztlich eigentlich um die Geschichte Westarmeniens handelt. 1921 erhielt Armenien erstmals seine Unabhängigkeit, die allerdings nur bis 1923 andauerte, bis das Land Teil der UdSSR wurde. Diese Zwangsverbindung wurde erst 1991 beendet, als Armenien die echte Unabhängigkeit erhielt. Allerdings ist diese auch nicht so gänzlich unbelastet, wie Schwierigkeiten an der russischen Grenze oder in Berg-Karabach zeigen. Ursachen für die Streitigkeiten in dieser Region konnte mir aber niemand nennen. Eigentlich handelt es sich dort um unfruchtbares, wenig schönes Gebiet. Mhm. Etwas mysteriös für uns.


Die Armenier verstehen sich auch als erste Christen dieser Welt, die durch Gregor dem Erleuchter das Christentum als Staatsreligion erstmalig einführten.


Obst gilt als wichtigster Exportschlager und ist somit auch der wesentliche Wirtschaftszweig.


Etchmiadzin, deutsch: der Ort, an dem Christus herabgestiegen ist, ist das religiöse Zentrum, gebaut zwischen 303 und 305 und ist der Wohnort des Katholikus (Papstes).


Im Übrigen dürfen umstehende Häuser nicht höher als die Kirchenspitze sein.


Als wir wieder rauskamen, stand eine BMW Motorrad Polizei Eskorte extra für uns bereit, um uns ca 400m weiter zum Ort unseres Mittagessens zu bringen. Dachte ich jedenfalls und fand es eine nette, wenngleich etwas übertrieben Geste. Naja, sie galt doch nicht uns. Der georgische Präsident besuchte auch gerade die Kathedrale und für ihn war wohl auch die Eskorte. Trotzdem übertrieben .-)


Der Tempel der kleinen Gayane mit Palmwedel war ein kleiner Stopp, bevor es zum Essen ging.


Auf dem Weg zum Mittagessen erfuhren wir dann, dass der eigentliche Urarmenier blond und blauäugig ist, noch am Sewansee lebt und sein Dialekt dort, dem der bayrischen Ureinwohner ähnelt. Naja, wahrscheinlich liegt diese Annahme darin begründet, dass beide, Urarmenier und Urbayern von niemandem verstanden werden. Andererseits, mich als Urarmenier zu betrachten ist auch eine sympathische Vorstellung.


Vor dem Essen mussten wir uns noch ein Museum ansehen, das wirklich nicht schön war, zumal ich mich allmählich dem elendigen Hungertod näherte. Irgendwelches altes Zeug wurde dort gesammelt und ausgestellt. Eine Teppichknüpferin, die angeblich nicht reden kann, begrüßte uns mit einem freundlichen `Hallo` und wir fühlten uns ein wenig veralbert. Es war sogar so bedenklich, dass selbst Kollegin Wendt, die nun definitiv interessierter und gebildeter in diesen Bereichen ist als ich, genervt fragte: „Und wann geht das jetzt endlich weiter?“. Für mich ein deutliches Zeichen, dass ich diesmal nicht falsch lag.


Das Essen dauerte noch ein ganzes Weilchen, war aber dafür dann wirklich sehr schmackhaft. Frau Wendt fand zwischen ihrem Kuchen eine extra dort versteckte Münze, die ihr nun fortan ewiges Glück garantieren wird. Viel Glück, also!


Die lange Autofahrt zurück nach Jerewan und weiter nach Garni brachte weitere Eindrücke von der Schönheit des Landes, schließlich ging es in den Kaukasus. Unterwegs konnte ich eine extrem spannende Beladung eines Autos beobachten. Ein handelsüblicher Lada aus den 80ern wurde auf dem Dach mit einer Couch beladen, so dass das Ladestück länger und breiter war als das Auto selbst. Mr Bean lässt grüßen…


In Garni wurde selbstverständlich der Tempel besucht, ein obligatorisches Foto mit dem Carl Zeiss Jena Schal gemacht, die atemberaubende Landschaft bestaunt, das altrömische Hallenbad, was uns vergangenes Jahr nicht auffiel, betrachtet und weitergefahren zu einem Höhlenkloster, welches auch im vergangenen Jahr noch nicht besucht wurde. Aufgrund der angegebenen herausragenden Akustik versuchten unser Kolleginnen und Kollegen einen Gesang, der jetzt wirklich angemessen getragen war, anzustimmen, woraufhin in kürzester Zeit ein Mönch auftauchte und diesem Gebaren eine Ende bereitete. Er war not amused. Wir etwas beschämt und ich heilfroh, dass ich nicht gesungen habe. Mich hätten sie vermutlich in Handschellen abgeführt. (Nicht weil ich so schlimm wirke, sondern weil mein Gesang kriminell wirken könnte.)


Nachdem es uns gelang, freundlich guckend auch die Straßenhändler zu besänftigen, fuhren wir zurück zum Hotel und bereiteten uns schon auf den letzten Abend in Jerewan vor.


Dieser wurde dann in der Gaststätte vom Montag bestritten. Zu unserer aller Freude konnten wir Narine und Gagik, Gaya und Holger als unsere Gäste begrüßen. Es war ein wunderschöner Abend, der gekrönt wurde von einem Maulbeerwodka, der im Eichenfass gereift ist. Voller Vorfreude auf den anstehenden Austausch und voller Wehmut über unsere bevorstehende Abreise verabschiedeten wir uns letztlich schweren Herzens voneinander.


Schlummertrunk in der Lobby.


 


15. März 2019, Rückreise


Achtung! 4.20 Uhr, das ist 1.20 Uhr MEZ klingelte der Wecker. Völlig verwirrt irrte ich unter die Dusche und versuchte meine Gedanken und meine Ordnung herzustellen.


Koffer geschnappt und alles zusammen geräumt, in den Rucksack und so weiter, kam ich in die Lobby, wo die Kollegen bereits warteten. Kurz den Koffer gewogen (23,2Kg) und festgestellt, verdammt, er ist zu schwer. Zum Glück bot mir der Hohenmölsener Kollege Raum in seinem an, so dass ich dann beim finalen Wiegen am Airport die Marke von 23 kg nicht überbot. Nun musste ich nur dran denken, dass ich die Flasche in Berlin nicht vergesse. (Hat geklappt.)


Das Taxi zum Flughafen war beinahe etwas knapp für uns 6 Personen mit Gepäck, hatte dafür aber eine gut regelbare Zweistufenheizung. An und Aus. Also war die Vorgabe schwitzen oder frieren. Wir entschieden uns für Wechselbäder.


Der Rückflug startete wieder in einer Boing 737-700 gen Moskau. Die üblichen Witze über die wackelnden Flügel spare ich mir an dieser Stelle.


Diesmal wurde ich neben dem Kollegen aus Hohenmölsen eingecheckt, der aber glücklicherweise eine Reihe weiter hinter konnte, weil dort noch 2 Plätze frei waren. Somit hatten wir beide unerwarteten komfortablen Platz. Ich habe erstmal 1 Stunde geschlafen, zur Erinnerung 1.40 Uhr MEZ aufgestanden, und bin mit Genickstarre und interessanter Stirnzeichnung aufgewacht. Leider saß ich wieder am Gang und wurde bei jeder Gelegenheit angestoßen von den Toilettenpilgerern. Dabei bin ich doch garnicht so breit im Sinne von breit in der Breite, eher breit im Sinne von breit nach vorne. Auch das Gurtanschnallzeichen, welches aufgrund doch ordentlicher Turbulenzen aufleuchtete, ließen den Strom zur Toilette nicht abschwellen. Soweit zum Thema Anschnallen.


Zum Essen gab es überraschenderweise keine Gummibrötchensondern, dafür belegte Brote, Trinkjoghurt und eine kleine Aljonkaschokolade. Leider gab es auch keinen Kaffee, weil die Maschine kaputt war, wenn ich das richtig verstanden habe. Also trank ich Saft (nicht Tomate, sondern Orange) der aber aufgrund des freundlichen Lächelns der Stewardess trotzdem gut war. Vor mir saßen 3 Männer, denen es wahrscheinlich nicht vergönnt war am Morgen zu duschen. Ein anheimelnder Duft nach Ziegenleder umschmeichelte meine Nase, der jedesmal verstärkt wurde, wenn jemand zur Toilette ging und den Sog nutzte der Duft, mich zu verwöhnen. Und wie gesagt, es mussten viele. Schließlich war ja inzwischen auch Zeit für das „Guten Morgen AA“.


Der Landeanflug auf Scheremetjewo glich dann eher einem Sturzflug, der auch eine der Stewardessen in die Verzweiflung trieb, weil nicht alle Tische rechtzeitig und ordentlich hochgeklappt waren. Aber nicht nur die Stewardess war nervös. Auch mein Übersitznachbar war sichtbar aufgeregt. Erst zappelte ein Bein, dann zwei und schließlich hat der ganze Kerl gezappelt wie ein Hüpffrosch. Naja, wir kamen trotzdem unten an. Nach der doch noch erfolgreichen Landung war mir auch klar, warum der Pilot am Anfang die Sicherheitshinweise zweimal sagte. Entweder kannte er seine Landefähigkeiten oder er hatte auch diesen leckeren Maulbeerwodka zum Abendessen.


Wieder 2 Stunden Aufenthalt in Moskau, die so einfach vorbei gingen.


Im Flugzeug, Airbus 320, nach Berlin saß dann ein Original russischer Bär mit Triple Nacken neben mir, der zur Beruhigung erstmal einen Wackelmann auf ex leerte. Gute Variante zur Beruhigung. Es war ohnehin beeindruckend, welche Art von Fluggästen mit uns reisten. Am auffälligsten war ein junger Mann, der mit offener Trainingsjacke seine tätowierte Brust präsentierte. Ich weiß nicht, ob es erotisiert.


Jedenfalls konnte ich die letzte Sitzreihe, zwar wieder an der Toilette, aber dafür für mich allein, komplett nutzen und zog also dorthin um. Der Start war spannend, da ein erheblicher Seitenwind uns von der Startbahn zu wehen drohte. Zum Glück haben wir vorher abgehoben.


Es gab Gummibrötchen, keine Aljonkaschokolade, seeeehr dünnen Kaffee und eine lustige Überraschung. Denn plötzlich, als das Flugzeug mal kurz ruckelte, sprang eine junge Frau aus der Toilette direkt auf den freien Gangplatz, schnallte sich an und sah mich mit großen angsterfüllten braunen Augen an. Meine natürliche Ausstrahlung von Stärke (hahaha) und Ruhe konnte sie, glaube ich, beruhigen. Jedenfalls nutzte sie die nächste Gelegenheit um zu ihren Platz zurückzukehren und ich konnte in Ruhe lachen.


Eine gehauchte deutsche Ansage kündigte unsere baldige Ankunft in Berlin an. Wir landeten verhältnismäßig ruhig, die Koffer kamen alle mit, wir verabschiedeten uns herzlich voneinander (Kognak zurückbekommen) und traten individuell unsere Heimfahrten an.


Zu Hause angekommen, war nichts wichtiger als schlafen und Regenerieren.


 


Nachtrag:


Wieder war es eine Woche voller Impressionen, vollgestopft mit neuem Wissen, dem Kennenlernen fantastischer, gastfreundlicher Menschen und voller Anstrengung, alles zu bewältigen und zu verarbeiten.


Inzwischen sind die Vorbereitungen für den ersten Besuch der armenischen Delegation in Aschersleben angelaufen. Wir freuen uns riesig auf den Besuch im September!




99 Luftballons

Abendessen mit allen

Abschlussabend

Aeroflotfrühstück

Armenische, seltene Spezialität

Armenischer Sonnengrill

Armenischer Tanz zur Begrüßung

Armenischunterricht

Begrüßung mit dem Saxophon

Begrüßung

Bergkloster

Biologieunterricht

Briefkasten

Deutschunterricht

Ein Abend mit Freunden

Empfangsbrot und Salz

Etchmiadzin

Frühstück bei der Schulleiterin

Glückspilz

Himmel oder Hölle

im Bildungsministerium

Im Museum

Kaskaden

Kaskadenkunst

Kindergruppe vor dem Museum

Kunst

Lavash und gefüllte Weinblätter

Liegender Protest

Mittagessen bei der Schulleiterin

Mütterchen Russland

Polizeieskorte

Reisegruppe

Schüler und Lehrer

Taxi

Tempel der Gayane

Tempel von Garni

Tisch wird gedeckt

Tür zum UNterrichtsraum

Überblick

Ultimatives Foto

Weinverkostung

Weinverkostungsgruppe

Weinverkostungssnack


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