Zeitreise in die DDR
von Larissa (10-3)
Unsere Schule wird aktuell zum Schauplatz einer Zeitreise. In der Aula im Haus1 des Gymnasium Stephaneums gastiert derzeit die Wanderausstellung „Der untergegangene Staat -Alltag und Leben in der DDR“, der Konrad- Adenauer- Stiftung. Bis zum 8. Mai haben alle Schüler und Lehrer die Gelegenheit, tief in ein Kapitel deutscher Geschichte einzutauchen, das unser Land bis heute prägt. Die Ausstellung wurde von Historikern und Kuratoren konzipiert, um ein authentisches Bild des Lebens jenseits der Mauer zu vermitteln. Es geht dabei nicht nur um die große Politik, sondern vor allem um das, was sich im Kleinen abspielte: Wie sah es mit der Bildung aus? Durften die Frauen damals genauso viel wie heute? Und wie fühlte es sich an, in einem Staat zu leben, der seine Bürger einerseits absichert, sie andererseits aber auch streng kontrollierte?
Wie kam es zur Teilung und wie sah das Leben in der DDR aus?
Nach dem Ende des zweiten Weltkriegs im Jahr 1945 wurde Deutschland durch die Siegermächte in Besatzungszonen aufgeteilt. Aus den unterschiedlichen politischen Systemen der Westmächte und der Sowjetunion entstanden 1949 zwei deutsche Staaten: die Bundesrepublik Deutschland (BRD) im Westen und die Deutsche Demokratische Republik (DDR) im Osten. Während in der BRD die soziale Marktwirtschaft und die parlamentarische Demokratie Einzug hielten, war die DDR ein sozialistischer Staat unter der Führung der SED. Das Leben in der DDR war geprägt von Gemeinschaft, Vollbeschäftigung und staatlich organisierten Freizeitangeboten (wie den Pionieren), aber auch von Mangelwirtschaft und der ständigen Präsenz des Staatsicherheitsdienstes (Stasi). Wer sich nicht anpasste, musste mit den Konsequenzen rechnen. Diese Konsequenzen bildeten aber einen starken Kontrast zur Meinungsfreiheit im Westen.
Die Aussage einer Zeitzeugin:
Das Leben als Frau in der DDR war geprägt von einer strengen Taktung, einer hohen sozialen Sicherheit und einer klaren Erwartungshaltung seitens des Staates. In einem Gespräch mit einer Zeitzeugin, die in Aschersleben (ASL) aufwuchs und zwischen 1970 und 1980 die 10. Klasse besuchte, wird deutlich, dass der Alltag damals „sehr geplant“ verlief. Die Biografie folgte oft einem festen Schema: Nach dem Schulabschluss mit 16 Jahren folgte eine zweijährige Lehre, die frühe Heirat mit 20 und die Geburt des ersten Kindes mit 22 Jahren. Trotz der Mutterschaft war es für Frauen „auf jeden Fall“ selbstverständlich, berufstätig zu sein. Die Zeitzeugin erinnert sich an einen Arbeitstag von 6 bis 15 Uhr, wobei sie betont, dass Arbeit und Familie gleichermaßen wichtig waren, um sich ein gutes Leben aufzubauen. Die staatliche Organisation begann bereits im Kindesalter. Der Mittwoch war als Pioniernachmittag fest im Wochenplan verankert, und ab der 8. Klasse trat man der FDJ bei. Die Zeitzeugin beschreibt ihre Kindheit als „schöne Zeit“, die besonders durch Ferienlager und Pionierlager geprägt war, welche oft durch die Betriebe organisiert wurden. Auch der Schulalltag war durchstrukturiert: Jeden Donnerstag gab es die Altstoffsammlung, einmal pro Woche Schwimmunterricht und samstags wurde regulär die Schulbank gedrückt. Rituale wie der Fahnenappell in Pionierkleidung oder das Marschieren am 1. Mai gehörten zum gesellschaftlichen Pflichtprogramm. In der Arbeitswelt fühlten sich Frauen weitgehend gleichberechtigt, auch wenn es typische Rollenverteilungen gab: Während Männer oft als Maurer oder Handwerker arbeiteten, fanden Frauen ihren Platz im Büro, im Kindergarten oder als Friseurin. Der Staat förderte Frauen durch spezielle Qualifikationen und Beratungen. Besonders vorteilhaft wurde die soziale Absicherung empfunden. „Mit der Geburt des Kindes gab es einen Anspruch auf einen Kitaplatz“, berichtet die Zeitzeugin. Ein großer Pluspunkt war zudem der monatliche „Haushaltstag“, ein freier Tag für berufstätige Frauen, den es heute in dieser Form nicht mehr gibt. Dennoch gab es finanzielle Unterschiede; Männer verdienten oft mehr als Frauen, selbst im selben Beruf. Ein schwieriges Thema war der Wohnraum. Ein Anspruch auf eine eigene Wohnung bestand oft erst, wenn man verheiratet war, und selbst dann musste man darum „kämpfen“. Bevorzugt wurden hierbei oft Parteimitglieder oder Ärzte, unabhängig vom Alter ihrer Kinder. Auch die politische Mitbestimmung war zweischneidig: Man hatte zwar das Gefühl, mitwirken zu können, aber der Druck war spürbar. „Man MUSSTE zur Wahl gehen, sonst wurde man ermahnt“, erinnert sich die Zeitzeugin. Die persönliche Freiheit stieß vor allem an den Grenzen des Staates an ihr Ende. Die Reisefreiheit war stark eingeschränkt und verlief nach einer strikten Rangordnung. Da man es jedoch nicht anders kannte, wurde dies damals oft weniger schmerzlich empfunden als aus heutiger Sicht. Auch über Sexualität wurde kaum offen gesprochen; die einzige Ansprechpartnerin hierfür war die Frauenärztin.
Nach der Wiedervereinigung empfand die Zeitzeugin vor allem die aufkommende Arbeitslosigkeit als das „Schlimmste“. Im Rückblick betont sie jedoch den starken Zusammenhalt und die Familienfreundlichkeit der DDR. Ihr Fazit für die heutige Jugend fällt daher fast nostalgisch aus: Das Leben als Frau in der DDR sei „einfacher als heutzutage“ gewesen, da der gesamte Tag strukturiert und der Arbeitsplatz sowie die Kinderbetreuung garantiert waren.
Warum ist das Thema wichtig und warum betrifft es uns noch heute?
Manche fragen sich vielleicht: Warum beschäftigt uns ein Staat, der seit über 30 Jahren nicht mehr existiert? Die Antwort ist simpel: Die DDR ist Teil unserer Identität. Viele unserer Eltern oder Großeltern sind dort aufgewachsen. Die Erfahrungen von Teilung, Flucht und schließlich der friedlichen Revolution von 1989 zeigen uns, wie wertvoll Demokratie und Freiheit sind und Werte, die heute keineswegs selbstverständlich sind.
Dieser Artikel kann nur einen kleinen Einblick geben. In der Aula erwarten euch beeindruckende Fotografien und interaktive Stationen, die das damalige Lebensgefühl erst richtig spürbar machen. Kommt vorbei und macht euch selbst ein Bild von dem Staat, der heute Geschichte ist.

| Foto von Sophie (10-3) |
Wo und Wann?
- Ort: Aula, Haus 1(Gymnasium Stephaneum)
- Zeitraum: noch bis zum 8. Mai

